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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Der Psalter
Date
1927-04-01
Page
23 (sequence 1)
Language
German
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Der Psalter Von Rudolf Hallo. Franz Rosenzweig zum Dank. Einhundertundfünfzig Psalmen stehen hintereinander in der Bibel, im Alten Testament und, als einziger übernommener Teil des Alten Testaments, auch noch hinter jedem Druck des Neuen Testaments. Einhundertundfünfzig einzelne Lieder. Die jüdische Tradition teilt sie in fünf Bücher ein und vielleicht geht der Gedanke dieser Teilung bis in alexandrinische Zeit zurück. Wie aber sind die 15o zu einem Bach zusammengekommen, warum sind gerade diese i5o zusammengekommen? Laßt ihre Sammlung einen Plan, ein Ziel erkennen? Ist ihre Ordnung beliebig vertauschbar oder liegt in ihrer Reihenfolge ein Sinn? Schließlich: weshalb ist der Psalter zu einem zweiten Pentateuch gemacht worden? Und zwar mit einer Ähnlichkeit nicht nur in der Fünfteilung, sondern auch in der Stellung, die sich allmählich durchgesetzt hat: die fünf Bücher Psalmen leiten genau so die „Schriften" ein, wie die fünf Bücher Mosis als Torah die „Propheten". Septuaginta und Luther haben die introduzierende Rolle der Psalmen durch Umstellung des Psalters innerhalb der „Schriften" verwischt In der Septuaginta folgen die Psalmen auf die Bücher Esra und Nehemia, bei Luther stehen sie hinter Hiob. Das ist die Anordnung, die schon Hieronymus kannte — die beutige bezeugt zuerst Eusebius — und die in der berühmten Barajtha des Talmud über die Ordnung der Schriften bekämpft wird, weil ein Buch von so vergeltungsvoller Schwere wie Hiob sich nicht als Anfang einer Schriftenreihe eigne, selbst wenn — wie man es glaubte — Hiob in das Zeitalter des Moses gehörte. Die Barajtha selbst setzt das Buch Ruth vor die Psalmen, als wollte sie die Geschichte von Davids Stammutter vor Davids Liederbuch stellen. 23

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