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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 15

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Das jüdische Kind in der Schule
Date
1927-04-01
Page
15 (sequence 13)
Language
German
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Das jüdische Kind in der Schule jüdische Kind oftmals bereits in der Puberlälszone mit ihren Stürmen, ihren Wettern, ihren grellen Nöten und durchschüttelnden Fiebern. Und nun wiederholt, bestätigt und verfestigt sich die Tragik der Entfremdung. Von seinem ersten Sonnenland aus erschien dem nichtjüdischen Kinde das jüdische als der dumpfe Mensch, der in sich Gekehrte, den es sich nicht anders als den sich Abkehrenden erläutern konnte; es war für ihn plötzlich ein Verborgener geworden, den es wiederum für den halten mußte, der sich aus geheimnisvoll-unheimlichen Gründen zu verbergen suchte und für den Abseitigen, der auf unverständlich-verstohlenen Wegen ging. Nun aber, da das nichtjüdische Kind sich selber in sich zurückzieht, da das leichte Spiel des Lachens, des Fühlens und Spielens sich ihm verhüllt und erlahmt, da es selber dumpf, verborgen, in sich gekehrt und abseitig wird, muß ihm das jüdische Kind, mitten im Wettern, die das nichtjüdische Kind nicht zu ahnen vermag, weil sie ihm das noch nicht Erlebte sind, als der unberechenbare Mensch erscheinen, als der Laute, der seltsam und ruhelos Springende, der in unaufhaltsamem Wechsel Um- und Umgeworfene und darum — der Treulose, der morgen ein andrer ist als heute. Dasselbe fruchtbar-furchtbare, rotierende, fiebernde, meißelnde Bewegen aller Seelenkräfte, das auch seiner wartet — es erschreckt das Kind der Indifferenzperiode. Es versteht es nicht und kann es abermals nicht anders deuten, denn als das Fremde und Unheimliche, das Treulose und Verräterische, — mit einem Wort: das Gefährliche. Das auf allen seinen unberechenbaren Wegen und Sprüngen höchst mißtrauisch und vorsichtig beobachtet und verfolgt werden muß. Abermals webt sich der graue Vorhang zwischen dem nicht jüdischen Kind und dem Juden dichter und dichter — und also wird abermals mit jeder Masche dieses Vorhanggewebes die Gestalt des Juden dunkler und dunkler, verschleierter, fremder und ferner---- Triumph und Feindschaft in der Pubertätsperiode. Wenn das jüdische Kind den nichtjüdischen Kindern gegenübersteht, so sieht es sie vor sich als eine feindliche Macht und dennoch eine helle, freie Macht Mehr: eine Einheit, die zugleich immer Mehrheit ist, und 15

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