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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Das jüdische Kind in der Schule
Date
1927-04-01
Page
11 (sequence 9)
Language
German
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Das jüdische Kind in der Schule wendet sich nun das Kind ab, ohne neue an Stelle der verworfenen zu begehren. Aller Dinge wird es vorschnell überdrüssig. Die leicht hinflutende emotionale Hingabefähigkeit des Kindes ebbt ab. An ihre Stelle tritt ein schläfrig-ergebnisloses Brüten. Das früher gern aufklingende Mitteilungsbedürfnis verstummt Die Satzmelodie wird stockend, das Satztempo schleppend, zuweilen deutlich widerwillig. Das kindlich-naive Anlehnungsbedürfnis ist verschwunden — aber auch die aufbegehrende Kampfes- und Widerspruchslust der Pubertät ist noch nicht an seine Stelle getreten. Empfänglichkeit, Beeinflußbarkeit und Sensibilität sind wie überkrustet, eingestaubt und verhärtet. Kurz, es scheint, als nehme die Natur in dieser Indifferenzperiode eine biologische Sammlung und. Einsparung aller Energien vor für die großen, vulkanischen Krisen der Pubertät Über die kindliche Seele decken sich erst leise, dann dichter werdend, gleichsam undurchdringliche Schichten schützenden Schlafes. Die Pubertät und damit auch die ihr vorgelagerte Indifferenzperiode tritt oft bei dem jüdischen Kinde früher ein als bei dem nichtjüdischen. Wiewohl zweifellos das Klima seinen retardierenden Einfluß auf das Tempo dieser Entwicklung auch bei dem jüdischen Kinde ausübt, so bleibt doch sichtbar, daß die Pubertätsperiode vielfach früher einsetzt und übrigens schneller abrollt Diese rein äußerlichen Zeitunterschiede verweben sich in einer seltsamen und tragischen Weise mit dem sozialpsychischen Erleben des Kindes und empfangen aus dieser tragischen Verwobenheit eine Schwere und Tragweite, die ihnen von sich aus in keiner Weise innewohnt Dadurch daß das jüdische Kind früher aus dem vielwegigen, heiteren Kiiidesland in den dumpfen, halbdunklen Tunnel der Indifferenzperiode eintritt, wird es abermals und plötzlich für das nichtjüdische Kind ein andres' und fremdes. Wir wissen: Dieser Zeitunterschied ist in wenigen Jahren ausgeglichen. Der naturhafte Zweck, das biologische Ziel und die psycho-physische Abwicklung der Indifferenzperiode und der Pubertätsentwicklung sind bei den Menschen aller Zonen die gleichen. Aber unser Wissen ist nicht das Sehen des Kindes. Das Kind sieht, wie der jüdische Gefährte ihm gleichsam entrückt wird; er lacht nun nicht mehr mit den Klassengenossen. Seine Bewegungen, das Tempo seiner Worte, die Wünsche und Träume, in denen er schweigend \\

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