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Der Morgen · 1927-04-01 · Heft 1 (April 1927) · p. 7

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 1 (April 1927)
Article
Das jüdische Kind in der Schule
Date
1927-04-01
Page
7 (sequence 5)
Language
German
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Das jüdische Kind in der Schule Schwerer lastet jenes Erlebnis des Abgesondertseins, jenes Beworfenwerden mit Schmach, Unwert und Fremdheit auf dem jüdischen Kinde. Alles Leid pflügt sich tiefer ins Gedächtnis und schlägt schärfer durch die wandelbare Hülle eiligen und kindlichen Gegenwartslebens hindurch — bis auf die Temperament färbenden Gründe des Wesens — als schneller, gemeinsamüberwältigender Sieg. Allein auch das Leid tragende Kind — ist eben ein Kind mit dem hurtigen Glück des Kindes. Sein Temperament, seine gestörte, enttäuschte Haltung gegenüber der Klassengemeinschaft wird nicht nur gleichsam eingefärbt durch das Erlittene, sondern auch .durch jene schnelle Entwölkung der Feindseligkeit, jenes schnelle, lachende Vergessen, das morgen schon den heiteren und gleichen Kameraden zu sehen bereit ist, wo es heute noch den unheimlichfremden Anderen sieht, der ein Recht zum Verurteilt- und Verschmäht-werden mit sich trägt — jene schnelle Entwölkung, die eben typisch für kindlichsoziales Verhalten ist Gern flieht jedes Kind aus seiner eigenen Not, seinem eigenen Gram, und so ist die Beobachtung allgemein, daß — freilich zunächst äußerlich betrachtet — in kurzer Zeit auch das jüdische Kind wieder mit der Klassengemeinschaft lacht, und sich arglos in ihr bewegt, als hätte, sie nie die kleinen Fäuste gegen „den Fremden" geballt Das Rührendste an Kindern ist vielleicht ihre Fähigkeit zu schnellem, vorbehaltlosem Verzeihen. Das rasche Tempo normaler Entwicklung bedingt gleichsam ein stetes Gleiten ihres Wesens über das Heute hinaus. Sie sind heute nicht mehr, die sie gestern waren. Und aus dem Heute mit allen seinen Wirrnissen, Feindschaften und Erschütterungen gleiten sie traumlos in ein reineres Morgen. Allein jene allgemeine Beobachtung rasch gelingender Versöhnung und Aufbellung des sozialpsychischen Verhältnisses darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß das jüdische Kind anderen Herzens in diese Versöhnung hineinkommt, als das nichtjüdische. Das äußere soziale Verhalten des jüdischen Kindes wird entscheidend gewandelt durch das entwölkende Vergessen und Verhalten der Gegengruppe. Aber unter dieser gewonnenen Harmlosigkeit bleibt doch eine gewisse Schwere, bleibt ein kleiner und dumpf warnender Tropfen leidvoll geronnenen 7

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