Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1927)
- Article
- Ausgrabungen in Palästina
- Date
- 1927-02-01
- Page
- 615 (sequence 3)
- Language
- German
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Ausgrabungen in Palästina baren Schmuckgegenständen in Samaria nichts mehr vorhanden ist, wird uns nicht überraschen bei der späteren Verarmung der nordisraelitischen Könige durch die ständigen Tribute an die Assyrer, und bei der gründlichen Zerstörung der Stadt durch dieselben Feinde. Die einzigen Elfenbeinsachen, die man übrigens gerade hier gefunden hat, waren der Handgriff vielleicht eines Spiegels, der in Form der Schildviper mit der ägyptischen Doppelkrone geschnitzt ist und der Handgriff eines Dolches, der in den Kopf eines knurrenden Löwen ausläuft. Außer den drei Flügeln war noch ein großer viereckiger Turm angebaut- In dem Hofraum des nördlichen Flügels entdeckte man die Überreste eines kleinen „Teiches", ein Zementbassin von 5 X 10 m Umfang. Die dritte Periode des Königshauses stellt wohl der Palast Jerobeams II. dar, dessen bezeichnendstes Merkmal ein breiter Rundturm war. Man hat früher wohl die Vermutung aus» gesprochen, daß dieser Monumentalbau gar nicht der Königspalast, sondern der Baaltempel gewesen sei; denn da Tyrus damals das Vorbild Samarias war und da dort der Baaltempel auf der höchsten Stelle der Insel stand, so sollte man dasselbe auch für Samaria er-- warten, um so mehr, als später Herodes seinen Augustus-Tempel ungefähr an derselben Stelle errichtete und damit nur die Heiligkeit des Ortes wahrte, wie es im Orient von den alten Zeilen an bis in die Gegenwart üblich ist. Aber die Ausgräber haben sich dagegen erklärt, obwohl sich kein strenger Beweis erbringen läßt, weil Plan, Lage und Bauart eher zu einem Palast als zu einem Tempel passen. Man darf hinzufügen, daß vor allem die Geschichte des Gebäudes gegen jene Vermutung spricht, denn es ist zweifellos noch nach Ahab erweitert worden, mag dies nun unter Jehu oder Jerobeam II. geschehen sein. Dagegen wurde der Baaltempel Ahabs, wie wir wissen, von Jehu für immer zerstört. Möglich wäre immerhin, daß ein Teil des Königspalastes, und zwar gerade der stark verwüstete, über dem sich später der Augustus-Tempel erhob, der Verehrung des Baal gedient hat, waren doch auch in Jerusalem Palast und Tempel Salomos aufs engste miteinander verbunden. Im Schutt des Ahab-Palastes fand man einen großen zweihenkeligen Krug aus ägyptischem Alabaster mit einer ägyptischen Inschrift, die den Namen des Königs Osorkon II. enthielt; er regierte von 874—856 v. Chr., war also ein Zeitgenosse Ahabs und hat ihm vermutlich diesen Krug geschenkt. Größere Inschriften sind leider nicht zutage gefördert; wohl aber fand man ebenda 65 beschriebene Tonscherben (Ostraka), die derselben Zeil angehören müssen. Sie stammen aus verschiedenen Vorratsräumen, die einen Teil des königlichen Palastes bilden. Die israelitischen Inschriften waren mit schwarzer Tinte geschrieben, wie sie ähnlich auch im alten Ägypten in Gebrauch war, und haben den Jahrtausenden gut widerstanden. Ihr Inhalt ist immer derselbe, nur die Namen wechseln von Fall zu Fall: „Ein Krug feinen Öles (oder alten Weines). Aus dem Ort (Name). Sache des Steuerbeamten (Name). Gutgeschrieben dem Ortsbeamten (Name)." Der Steuerbeamte, dem ein bestimmter Bezirk zugeteilt, vielleicht verpachtet war, mußte umherziehen und die Steuern, die in Öl, Wein und gewiß auch anderen Naturalien bestanden, persönlich eintreiben; dabei bediente er sich der Mithilfe der lokalen Unterbeamten. Was er auf diese Weise erhielt, schickte er an den König oder lieferte es selbst ab mit einem solchen „Begleitschein". Da Papier (Papyros) teuer oder überhaupt nicht vorhanden war, zerbrochene Tonkrüge dagegen nichts kosteten, schrieb er sie auf eine Scherbe. So unscheinbar der Inhalt dieser Inschriften ist, wird er uns doch vieles lehren über die Geschichte der hebräischen Schrift und der israelitischen Eigennamen, vor allem aber über die Verwaltung, die Finanzen und die Kreiseinteilung des nordisraelitischen Reiches, wovon wir bisher sehr wenig wissen. Hier sind etwa i5 neue Ortschaften erwähnt, deren Namen in der Bibel fehlen; die meisten von ihnen hat man bereits mit Hilfe der heute noch vorhandenen, trotz der arabischen Umformung, als hebräisch erkennbaren Ortsnamen feststellen können. Reste hellenistischer Bauten lieferten eine Reihe von Einzelfunden, unter denen die gute Marmorfigur eines sitzenden Jünglings und die Bronzestatuette eines Herkules genannt seien; dazu kam eine Fülle von Münzen. Wertvoller war der gewaltige Kaisertempel, den Herodes um 3o vor Chr. gebaut hatte, der aber wohl bald nach seinem Tode zerfiel und der dann erst wieder unter Septimius Severus um 200 nach Chr. erneuert wurde. Die einheimische Bevölkerung hatte, wie es 615