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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 614

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Ausgrabungen in Palästina
Date
1927-02-01
Page
614 (sequence 2)
Language
German
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Hugo Greßmann Nordisrael als das „Haus Omris" bezeichneten. In der Stadt gab es einen besonderen Basar für die aramäischen Kaufleute aus Damaskus und ein besonderes Fremdenviertel für die phönikischen Propheten, Priester und Kaufleute, die Isebel aus Tyrus mitgebracht hatte und die infolgedessen enge Beziehungen zum königlichen Hofe pflegten. Diese Blütezeit dauerte ein gutes Jahrhundert bis auf Jerobeam II. um 7&o. Dann begann unter dem Druck der assyrischen Politik der schnelle Verfall. 722 wurde Samaria von Sargon erobert, nachdem sein Vorgänger auf dem Thron es zwei Jahre lang vergeblich belagert hatte, der beste Beweis für die feste Lage der Stadt; der Berg, der nur im Nordosten durch einen schmalen Sattel mit seiner Umgebung verbunden ist, steht im übrigen für sich allein und war deswegen leicht zu befestigen und zu verteidigen. Die Stadt blieb trotz der Zerstörung bewohnt, aber die Assyrer ließen nur die Hefe der Bevölkerung zurück, von der sie keinen Aufstand zu befürchten hatten, und um ganz sicher zu gehen, siedelten sie fremde Kolonisten dort an, die mit den Einheimischen zu dem Mischvolk der Samaritaner verschmolzen. Eine neue Blütezeit der Stadt begann erst mit Herodesdem Großen, dem sie vom Kaiser Augustus (griechisch Sebaslos) geschenkt wurde und der sie deshalb ihm zu Ehren Sebaste nannte; während sonst die griechischen Namen meist wieder verschwunden sind, hat sie ihn bezeichnenderweise bis heute bewahrt. Sie war eben zu einer völlig griechischen Stadt geworden, wenigstens dem äußeren Aussehen nach, obwohl ihre Religion jüdisch blieb. Herodes baute sie nach neuen Plänen aus, legte eine große Säulenstraße an, errichtete einen Markt mit einer Basilika, ein Hippodrom und ein Theater, um alle Bedürfnisse griechischer Kultur zu befriedigen, und benutzte den höchsten Punkt des Hügels zu einem Prachttempel für seinen kaiserlichen Schutzherrn Augustus. Zahlreiche Säulen und andere Reste der frührömischen Zeit erinnern an die große Vergangenheit und lockten zur wissenschaftlichen Ausgrabung. Diese Ausgrabung wurde 1908—1910 von der Harvard-Universität zu Cambridge (Mass.) unternommen mit 5o 000 Dollar, die der Philanthrop Jakob Henry Schiff in New York stiftete. Sie wurde zuerst von dem deutschen Baurat Dr. Gottlieb Schumacher (Haifa), dann von Professor Dr. Reisner (Harvard) unter Mithilfe seines Architekten Fisher geleitet. Bisher waren nur vorläufige Berichte erschienen; die endgültige Veröffentlichung, an der auch Professor Dr. Lyon mitgearbeitet hat, ist soeben in zwei Prachtbänden erfolgt: Harvard Excavations at Samaria. Vol. f. n. 1924« Die ganze Stadt auszugraben, die in der altisraelitischen Zeit einen Flächeninhalt von etwa fünf, in der römischen Zeit von acht Hestar umfaßte, war unmöglich; so beschränkte man sich auf drei Stellen: im Osten, im Westen und vor allem in der Mitte des Hügels; durfte man doch hoffen, auf seiner Spitze die Reste der alten Paläste oder Tempel wiederzufinden, und diese Erwartung wurde nicht enttäuscht. Die Funde haben uns in der Tat ein lebendiges! Bild der altisraelitischen und der herodianischen Königsbauten verschafft. Aus der altisraelitischen Zeit stammt zunächst der Königspalast, an dem sich drei Bauperioden unterscheiden lassen. Der älteste Teil, der Palast Omris, ruhte unmittelbar auf dem jungfräulichen Felsboden der Hügelkuppe; eine kanaanitische Unterschicht fehlte hier wie überall, wo man in Samaria gegraben hat. Omri war also der erste, der hier seinen Palast nach dem üblichen Plan im Orient anlegte: eine Reihe offener Höfe, um die sich die kleinen geschlossenen Zimmerräume reihten. Die massiven, roh behauenen Steinblöcke waren sorgfältig in den Felsboden eingelassen, der eigens zu diesem Zweck bearbeitet worden war. Der zweite Bau, der Palast Ahabs, war noch größer und stattlicher. Die glatten Quaderflächen und die gradlinigen Fugen, die ihn auszeichnen, werden auf phönikische Steinmetzkunst zurückgehen, wie überhaupt der ganze Palast mit seinen Flügeln an die damals modernen assyrischen Königspaläste erinnert. Wenn die Bibel von einem „Elfenbeinpalast" Ahabs spricht, so ist das nicht von dem elfenbeinfaxbigen, verwitterten Aussehen des gelben Sandsteins zu erklären, aus dem die Quadern gehauen waren, sondern aus dem reichen Elfenbeinschmuck, den Paneelen und Fenstern aus Elfenbein, mit denen damals auch die assyrischen Paläste durch phönikische Künstler ausgestattet waren. Auch die Inneneinrichtung wird in der Hauptsache aus Elfenbein bestanden haben: die Bettstellen, die Sessel, die Truhen, wie wir sie jetzt aus dem Grabe Tutanchamons auf ägyptischem Boden kennen gelernt haben, und andere Geräte mehr. Daß von diesen kost- 614

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