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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 616

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Ausgrabungen in Palästina
Date
1927-02-01
Page
616 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Hugo Greßmann: Ausgrabungen in Palästina scheint, keinen inneren Anteil daran; er diente nur der Ehre der idumäischen Dynastie und den Bedürfnissen der römischen Beamten. Der Tempel erhob sich, von einem weitausgedehnten heiligen Hain umgeben, auf einem 41/« Meter hohen Podium mit der Front nach Norden; in der Ferne sah man über den ebenfalls prächtig ausgebauten Hafen von Caesarea Palästinae hinaus auf den leuchtend blauen Spiegel des Mittelländischen Meeres. Eine stolze Freitreppe von 16 Stufen führte in zwei Absätzen hinauf. Unmittelbar zu ihren Füßen lag der große hellenistische Brandopferaltar; später gesellten sich noch einige kleinere Altäre hinzu, die von pannonischen Soldaten gestiftet waren und an seiner Seite aufgestellt wurden. Nicht weit entfernt fand sich das Bruchstück einer gigantischen Marmorfigur, die ursprünglich mindestens 3 Meter hoch gewesen sein muß, an Proportionen und Ausführung ein Meisterwerk der besten römischen Kunst. Abzeichen des Kaisers auf der rechten Brust lassen keinen Zweifel zu, daß es eine Statue des Augustus war, dem Herodes diesen Tempel geweiht hatte. Die Fortsetzung der Grabungen hängt von der Zuwendung neuer Mittel ab, auf die die Harvard-Universität hofft. Ob man ihr die Erfüllung wünschen soll, ist noch die Frage. Einerseits spricht dafür, daß Samaria neben Jerusalem die zweite Reichshauptstadt war, in der einst das Leben Altisraels am frischesten pulsierte; und da Jerusalem, weil es meist bebaut ist, nicht ausgegraben werden kann, sollte man es um so mehr in Samaria versuchen, wo die Bedingungen ausgezeichnet sind. Andrerseits sind die Reichshauptstädte fast immer den stärksten Zerstörungen und Plünderungen ausgesetzt gewesen, so daß sich in ihnen oft weniger erhalten hat als in ärmeren Provinzstädten. Immerhin fällt die eine Tatsache, daß in Samaria eine kanaanitisc'he Unterschicht völlig fehlt, zugunsten des Wunsches aus, sie völlig ausgegraben zu sehen, denn dort darf man hoffen, die altisraelitische Kultur in ihrer relativ reinsten Ausprägung kennenzulernen. 616

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