Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 605

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Walter Rathenau als Deutscher und Jude in seinen Briefen und Schriften
Date
1927-02-01
Page
605 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2895450-2895459-2895466-2897489--01630-2897604
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Walter Rathenau als Deutscher und Jude in seinen Briefen und Schriften innerung und die Gestalten des Alten und Neuen Testamentes. Meine Vorfahren und ich selbst haben sich von deutschem Boden und deutschem Geist genährt und unserm, dem deutschen Volke erstattet, was in unseren Kräften stand. Mein Vater und ich haben keinen Gedanken gehabt, der nicht für Deutschland und deutsch war. Soweit ich meinen Stammbaum vergleichen kann, war es das gleiche."1) Der Gedanke, daß alle das gleiche für Deutschland zu leisten verpflichtet sind, und sich auch in dieser Leistung bewährt haben, kehrt öfters wieder: „Ich kenne die Unterscheidung zwischen Deutschen nicht und bin daher gegen die Abrechnung zwischen deutschen Stämmen und Konfessionen Es ist die verfluchte Pflicht eines jeden von uns> zu tun, was er dem Lande schuldet Wenn es dabei überhaupt etwas zu erwähnen gibt, so ist es die Tat dessen, der sein Leben verschenkt Das haben genug von unseren Brüdern aller Bekenntnisse und Familien getan und das sind die wahrhaft Lebendigen." 2) Schon 19ii hatte er in der „Kritik der Zeit" geschrieben3): „Was ist denn eigentlich nationale Gesinnung und Betätigung? Besteht sie lediglich in devoten Tiraden oder aggressiven Liedern? Dann gebe ich die der Juden gerne preis. Oder besteht sie in liebevoller und hingebender, aufopfernder und freier Kulturarbeit zu Ehren und zum Segen des angestammten Landes? Dann möge der aufstehen, der vor Gott und Gewissen behaupten kann, daß die deutschen Juden ihr Maß von Kulturarbeit nicht ehrlich und reichlich erfüllt haben, daß sie nicht mehr zu Deutschlands Hoheit, Glück und Ehre beigetragen haben, als alle berufsmäßigen Antisemiten zusammen genommen." Bathenau hatte, wie er mehrmals schreibt, eine besondere Vorliebe und Sympathie für Preußen „Dieses Preußentum liebe und bewundere ich als Preuße und Mensch." 4) Walter Rathenau hat sein Deutschtum durch die Tat bewiesen. Ihm war die Rohstoff-Versorgung während des Krieges zu verdanken, das einzige Gebiet der Kriegswirtschaft, das sich unter allgemeiner Anerkennung vollkommen bewährte und das Durchhalten der vier Kriegsjahre ermöglichte. Walter Rathenau war gegen den Waffenstillstand. Er forderte eine levee en masse, denn er hatte mehr Vertrauen zum deutschen Volk und Heer als die entscheidenden Männer. Er war gegen die Annahme des Friedensvertrages von Versailles, der Deutschland in eine unabsehbare Schuldknechtschaft zu werfen drohte. Als i) Briefe Nr. 191. — *) Briefe Nr. 163. — 3) I, S.204 Kritik. — *) I, S. 192 Kritik. 605

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.