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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 601

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Der Jude in der Musik
Date
1927-02-01
Page
601 (sequence 12)
Language
German
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Der Jude in der Musik Geigenpizzikati auch ein bißchen spuckt und geifert und im Fistelton der Flöten die Stimmen überschlagen läßt, eine Disputation in untadeligem Fugato- Ansteigen mit allen Schikanen des Kontrapunkts, auch des geistigen". „Dies glänzende Pasquill in Scherzoform, das Judentum in der Musik durch die Unmusik eines syllogistisch unproduktiven Judentums in einem höchst lebendigen, grausam witzigen Fugato ausdrückend, ... verliert sich schließlich in allzu groteske Übertreibung, vor allem aber in ein derartiges ungebührliches Übermaß, daß die verblüffende Wirkung des Beginns schließlich nicht nur zu der vermutlich gewollten der Behelligung und der Aufdringlichkeit, sondern zu einer sicherlich nicht gewollten der Abspannung wird und daß diese Hypertrophie die dramatischen Proportionen sprengt und die Perspektiven verschiebt, wenn sich eine vom Dichter in wenigen Zeilen abgetane Randglosse anmaßend zu einem Hauptstück der Partitur aufbläht" In seinem „Intermezzo" hat Strauß dann in dem Kommerzienrat ein behaglicheres Judenporträt gezeichnet, dessen Wirksamkeit ihren Schwerpunkt allerdings nicht in der Musik, sondern im sprachlichen Tonfall besitzt Strauß hat im übrigen sowohl was den Journalisten, wie das Judenquintett betrifft, seinen Vorgänger. In Hugo Wolfs „Abschied", der den Mörike-Liederband beschließt, ist der „unangemeldet hereintrelende Herr" natürlich ein Jude — bei Mörike ist er es keineswegs —: Melodik der Gesangsstimme, Begleitung sprechen in diesem, sonst ganz und gar nicht zu Wolfs Bestem zählenden Lied eine deutliche Sprache. Und in „Ritter Kurt's Brautfahrt", im Goetheband, wenn der Freier auf dem Markt seiner Schönen Liebespfänder einkauft, „... ach! da kommen Juden mit dem Schein vertagter Schuld", und Wolf widmet der Szene ein eignes, ausführliches Nachspiel, dessen Gesten und Laute ganz unmißverständlich sind: 601

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