Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1927)
- Article
- Der Jude in der Musik
- Date
- 1927-02-01
- Page
- 600 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Alfred Einstein Realist Modest Petrowitsch Mussorgski, mit seiner Juden-Miniatur in jenem Zyklus für Klavier „Bilder aus einer Ausstellung". Man kennt die Entstehung dieses Zyklus: der russische Kritiker W. Stassow veranstaltete 1874 zum Andenken an den jüngst verstorbenen Petersburger Baumeister und Maler Viktor Hartmann eine Ausstellung von dessen Aquarell-Bildern und Zeichnungen, die Mussorgski zu zehn zyklisch verbundenen musikalischen Klavierstücken anregten. Das sechste nun heißt: „Samuel Goldenberg und Schmuyle" — zwei typische Gestalten des Warschauer Ghettos, der eine dick, reich, phlegmatisch, man kann ihm nicht an: der andre um so beweglicher, aufgeregter, geschwätziger — beide Meisterstücke musikalischer Karikatur, über die man, man mag wollen oder nicht, lachen muß. Ein solches Lachen vergeht einem freilich bei der ausgeführtesten Judenkarikatur, die es in der Musik gibt, bei dem Judenquintett in Richard Strauß' „Salome". Sie ist das Gemälde zu der Skizze, die Strauß schon im „Heldenleben" bei der Schilderung von „des Helden Widersachern" gegeben hat: dieses Helden Widersacher sind natürlich Journalisten, und zwar neben christlichen auch jüdische Journalisten ... Aber geben wir für „Salome" dem Panegyriker Richard Strauß', Richard Specht das Wort („R. Strauß und sein Werk", II, i48): „Diese Judenthemen werden in ihrer Urgestalt, ihrer Verkleinerung, Vergrößerung und Verwandlung gegeneinander geführt, in ihren verschiedenen Bildungen kombiniert, enggeführt, springen in die Singstimme und wieder ins Orchester zurück, in dem es näselt, sabbert, mauschelt, talmudisch eifert, in gestopften Trompeten meckert, im Zungenschlag der Hörner atemlos räsoniert, in den Figurationen der Baßinstrumente gestikuliert, in den 600