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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 599

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Der Jude in der Musik
Date
1927-02-01
Page
599 (sequence 10)
Language
German
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Der Jude in der Musik Eine andre Gattung von Juden malt vielleicht, fünf Jahre früher, Carl Maria v. Weber in dem Chor der Gläubiger, den er bei der Komposition seines Singspielchens „Abu Hassan" zuerst in Angriff genommen hat — aber die Gilde der Manichäer hat in solchen Fällen internationale Gepflogenheiten, es läßt sich nicht sagen, ob der große Charakteristiker Weber hier besondere Typen im Auge gehabt hat Und schließlich gilt das Gleiche bei einem Beispiel von ganz anderer symbolischer Tiefe, bei den „Nachtgestalten'* von Webers größerem Nachfolger, dem eigentlichen Antisemiten unter den Musikern, Wagner. Alberich und Mime, die Nibelungen: Kundry das Zauberweib — sie sind Wagner und den Wagnerianern Symbol des Jüdischen: dort der Materialismus, der nur durch die Selbstvernichtung der Welt vernichtet werden kann, hier des Triebs, des Egoismus der Sünde, des Bösen an sich, das wieder nur durch Auflösung Erlösung findet Aber auch Wagner war so groß, so objektiv, daß man nirgends bei ihm an „jüdische" Realistik erinnert wird. Es gibt Szenen, die an der Grenze stehen, so etwa die Keifszene zwischen den beiden Brüdern im zweiten Akt des „Siegfried"; und man muß überhaupt bedenken, daß Nibelheim nichts andres ist als ein mythisches Ghetto, das beide Typen der Brüder erzeugt: den kleineren, gewitzten, schleichenden, erregbaren des Mime, den der unter furchtbarem Druck auch furchtbaren Dämonik des Alberich. Aber daß es falsch wäre, die musikalische Sprache, die Wagner für sein Nibelungenpaar gefunden hat, im „spezifischen Sinn" zu deuten, das beweist Kundry. Es sind viel tiefere Wesenszüge, auf die die Kundry-Thematik hindeutet: ihrem orientalischen Gewand im zweiten Akt, der ganzen szenischen Kostümierung dieses zweiten Aktes entspricht keineswegs eine naturalistische Haltung in der Musik — dies alles spielt sich musikalisch in einer Region ab, die über der des Szenischen, Bildlichen steht Die nachwagnersche Musik ist wieder eine Periode der Realistik — gleichgültig, ob es sich um Lied, Klavierstück, Oper handelt An der Spitze steht der 599

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