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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 584

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Mensch in Not?
Date
1927-02-01
Page
584 (sequence 5)
Language
German
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W. Eliasberg handeln kann, weil die innere Aktionsfähigkeit erlahmt ist Der Gesamtzusammenhang der Motive, die durchschnittliche Motivationshaltung ist herabgesetzt In diesen inneren Zusammenhang der Motive hat uns der Streit über die Motivation wirtschaftlicher Arbeit Einblick gewährt Die klassische Theorie von Wirtschaftsmenschen stellte sich vor, daß der Mensch ganz allgemein seine Lust und seine Unlust, seine Arbeitsmühe und seinen Lohn nach einem festen Schlüssel zu tauschen bereit sei, immer aber in der Absicht, seinem lieben Ich dabei den möglichsten Vorteil zu sichern. „Vor allem finde ich den Arbeiter weit verschieden von dem Warenspekulanten, als welchen ihn die klassische Nationalökonomie voraussetzt" (L. Brentano, Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte, Leipzig 1923, S. 10...) „So finde ich z. B. den armen Handweber seine Kinder um so frühzeitiger zu seinem eigenen Gewerbe anlernen, je mehr sein Gewerbe zurückging, während die bessere Konjunktur ihm ermöglicht, sie ein besseres Gewerbe erlernen zu lassen." Die nähere Untersuchung der wirklichen Motivation, des wirtschaftlichen und des Gesamtverhaltens (Eliasberg, Richtungen und Entwicklungen der Arbeitswissenschaft Archiv f. Sozialwissenschaft, Bd. 56, Heft 1 u. 3 1926) zeigt das Wollen des Menschen von vorneherein in ein Sollen eingebettet, in eine überindividuelle Motivation, die allerdings in ganz charakteristischer Weise abgestuft zu sein pflegt Die unterste Stufe, welche wir kennen, ist die des Zwangs. Zwang ist hier als rechtlich-soziale Institution genommen, nicht als Erlebnis; denn ein dauerndes psychisches Gezwungen werden, Angetriebenwerden, gleich dem Tier im Geschirr, oder gar gleich der Bewegung in der toten Natur unter der Wirkung mechanischer Kräfte, gibt es beim Menschen überhaupt nicht Immer bildet sich eine Art von innerer Zustimmimg aus, von innerer Selbsttätigkeit, sei sie nun in der Richtung der Bejahung —, wie wir denn in der reichen russischen Literatur, aus der Zeit der Leibeigenschaft, Beispiele äußerster Hingabe an den Herrn kennen; oder es kommt zur Revolte. Aber welche Reaktion eintritt, das entscheidet keineswegs nur Maß und Art des äußeren Zwanges. In unserem modernen Arbeitsleben, welches juristisch grundsätzlich durch Dienstleistungsverträge gemäß § 611 BGB. geregelt wird, ist die Motivation, welche ich die freiwillige rationale Einordnung genannt habe, charakteristisch. Es handelt sich um freiwillige entgeltliche Unterordnung unter den Willen eines anderen zwecks Ausführung bestimmter Leistungen. Diese Motivation hat 584

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