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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 573

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1927-02-01
Page
573 (sequence 10)
Language
German
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Abraham es ist gar keine Gottesfurcht an diesem Orte," und spricht sogar in der Mehrzahl von „göttlichen Gewalten", die ihn aus dem Hause seines Vaters „scheuchten". Zu sehr bequemt er seine Rede heidnischer Denkweise an und hatte ein Mißtrauen gezeigt, das zwar nach den Erfahrungen in Ägypten und mit Sodom und Gomorrha begreiflich ist, aber ungerecht verallgemeinerte. Als sie daher später einen Bund schließen, spricht Abimelech, daran erinnernd: „Schwöre mir, daß du weder mich noch Sproß noch Schoß belögen wirst". Es wird also von dem Philister mit sichtlicher Sympathie geredet und der Israelit muß eine gewisse innere Verwandtschaft mit ihm gefühlt haben. Zwar gab es zwischen den beiden Völkern, die in demselben Lande lebten (das von den Pelischtim sogar seinen Namen Palästina erhalten hat) jahrhundertelang Streit und Krieg, besonders zur Zeit der Richter, wie Simsons, sodann Sauls und Davids, aber dennoch hat sich Israel weder durch die nationale Feindschaft noch durch die religiöse Verschiedenheit irre machen lassen, das ganze Volk nach dem großen Lästermaul Goliath zu beurteilen. Es muß in ihm auch ein besserer Sinn und eine gewisse Grottesfurcht gelebt haben. Auch die Philister waren einst „aus Ägypten gezogen", was auch auf eine innere Lossagung deutet Nur bei ihnen finden sich die israelitischen Begriffe Sünde und Schuld, und als einst die heilige Lade Israels in ihre Hände gefallen war, sandten sie sie, durch eine Heimsuchung erschreckt, mit allen Ehren zurück. Erwägen wir endlich, daß in der Volksrede gerade der Philister im Gegensatz zu dem Bundeszeichen des Israeliten, von dessen Würde vorher gesprochen war, als 'Arel bezeichnet wurde, so könnte in dieser Ehrenrettung eines Abimelech gerade an diesem Punkte der Abrahamsgeschichte eine feine Lehre liegen: Auch der 'Arel kann Grottesfurcht und Tugend haben, und der Israelit soll sich als Gottvertrauter würdig machen und willig zeigen, für ihn zu beten. Sei ein Segen! 9. Und nunmehr kann der so heißersehnte Tag erscheinen: Sara, das Weib Abrahams, bringt einen Sohn zur Welt, den ersten, der in dem Gottesbund geboren wird und damit seine Fortsetzung verbürgt Die Beseligung eines Elternpaares ob dieses Himmelsgeschenkes, dieses Gotteswunders, daß zum erstenmal ein neues junges Leben unter sie tritt, womit sich eine Welt von Freuden, Hoffnungen und Aufgaben eröffnet, mußten diese Eltern am stärksten empfinden. Denn obenein hatten sie ein Alter erreicht, dem solches Glück nach dem gewöhnlichen Weltlauf versagt zu sein schien. Dieses Moment, daß Abraham erst hundert Jahre alt werden muß, ist der Bibel so wichtig, daß sich nach ihm überhaupt die Ansetzung der Lebensalter in der Patriarchengeschichte 573

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