Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1927)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1927-02-01
- Page
- 567 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Abraham er den Ausspruch tut: „Die Frommen aller Völker haben Anteil am zukünftigen Leben", & h. nicht bloß die Gerechten kraft der Unsträflichkeit des Wandels, sondern auch die in ihrer Art Frommen kraft der Lauterkeit ihrer subjektiven Frömmigkeit Aber noch haben wir den wahren Sinn von Abrahams Fürbitte nicht verstanden. Es ist nicht eine Fürbitte für die Gerechten. Diese bedürfen ihrer nicht. „Solltest du den Gerechten mit dem Bösewicht wegraffen? Ferne sei es von dir, solches zu tun, den Gerechten mit dem Bösewicht zu töten! Der Richter der ganzen Erde (d. h. gegen den es keine Berufung mehr gibt) sollte nicht Gerechtigkeit üben?" Es ist auch nicht eine Fürbitte für die Frevler. Denn warum sollte der hoffnungslos verderbte unbußfertige Bösewicht nicht gestraft werden sondern die Erde weiter mit seiner Bosheit erfüllen? Auch das wäre keine Gerechtigkeit Wenn der Gärtner die verdorrten Zweige abschneidet, so ist dies Fürsorge für die gesunden. Sondern das Problem ist: Es gibt keinen Ort ohne Ungerechte, aber wieviel Gerechte muß ein Gemeinwesen beherbergen, damit es um ihretwegen gerettet werde? Was die Gerechten durch ihr Verdienst schützen, ist das Gemeinwesen als solches, die Stadt, der Ort Diese sind zur Vernichtung reif, wenn ein solches Verdienst nicht für sie eintritt. Daher spricht Abraham niemals von der Errettung der Gerechten selbst, sondern des „Ortes", der „Gegend", der „Stadt" um der Gerechten willen; und zwar bleibt er bei der Zehn stehen, weil so viel, als die erste Vollzahl, selber die kleinste organisationsfähige Gemeinschaft darstellen und auch in einer großen das Regiment führen und bestimmenden Einfluß haben können. Mit Fünfzig aber fängt er an, weil, wie es einmal heißt, Hundert die kleinste Zahl von Männern einer „Stadt" sind. Wrie also, wenn sich Gerechte und Ungerechte die Wage halten? Was Abraham bewegt,, ist die Sorge um eine blühende Heimat von Gerechten, der Schmerz um den Untergang einer Kultur, solange sie noch von Gerechten gehalten werden könnte. War doch die Gegend um Sodom und Gomorrha „ein Gottesgarten gleich dem Lande Ägypten". Die Fürbitte Abrahams wird aber nicht nur von Gott gebilligt, sondern ist von ihm sogar herausgefordert worden. Der Herr sprach: „das Geschrei über Sodom und Gomorrha ist groß und ihre Sünde schwer. Ich will hinabsteigen! und sehen, ob sie nach dem Geschrei über sie getan haben." Auch hierin hat man einen Anstoß gefunden. Also ist das kein allwissender Gott, da er sich erst an Ort und Stelle unterrichten muß. Aber hält die Schrift es für selbstverständlich, daß das Geschrei der Vergewaltigten bis in den Himmel dringt also Gott 567