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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 566

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1927-02-01
Page
566 (sequence 3)
Language
German
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B.Jacob Feldherr habe beschlossen, eine feindliche Stadt zusammenzuschießen. Wenn es nun einem Fürsprecher, der persönlich gar nicht beteiligt ist, gelänge, durch einen sechsmaligen Bittgang bei dem strengen General die Zurücknahme des Befehls zu erwirken, könnte sich wohl die gerettete Stadt in Danksagungen genug tun, und würde sie diesem Manne nicht mit Recht ein Denkmal setzen — zum ewigen Gedächtnis seines „Feilschens und Handelns"? Die Bewohner von Sodom und Gomorrha sind „Heiden", d. h. sie kennen IHVH nicht und er hat sich ihnen nicht besonders offenbart Dennoch setzen sowohl Gott als Abraham voraus, daß sich unter ihnen Gerechte befinden können. Die Menschen müssen also seine sittlichen Forderungen kennen, auch wenn sie sonst von ihm nichts wissen. Wenn sie sie erfüllen, sind sie Gerechte, wenn sie sie außer Acht lassen, sind sie „böse und sündig gegen IHVH" und werden gestraft Daher das Gericht der Sintflut und jetzt das über Sodom und Gomorrha. Gott ist der Gott aller Menschen, auch wenn sie nicht von ihm wissen. Denn sie wissen doch von ihm — durch ihr Gewissen. Aus diesen Erzählungen ersehen wir auch, welches vorzüglich die Verbote dieser Ur- und Weltreligion sind, zu der es keiner besonderen Offenbarung bedurfte. Es sind die Taten, mit denen „das Fleisch seinen Weg verderbt", die unnatürlichen Ausschweifungen und der Frevel gegen den Mitmenschen. Die letzteren lösen die menschliche Gesellschaft auf, die ersteren zerstören das Leben. Sie richten sich gegen die „göttlichen Ordnungen und Rechte, die der Mensch wahren soll, daß er lebe". Für ihre Verletzung werden später die Bewohner von Kanaan von dem empörten Erdboden „ausgespieen". Das in die Herzen eingeschriebene „Gesetz der Natur" ist also auch dem Alten Testament sehr wohl bekannt Erfolgt nun ein Strafgericht, so kommt es von IHVH, dem „Richter der ganzen Erde", nur daß die Menschen, die ihn für einen besonderen Gott Israels halten, dies nicht erkennen. Für sie ist es das Werk eines E loh im, einer göttlichen Gewalt, denn freilich von Menschen kann es nicht stammen. Sie haben nicht begriffen, daß IHVH der Elohim ist Noch weniger haben sie begriffen, daß dieser Gott ein Gott der Gnade sein könne. Auch Abraham spricht von Gerechten in Sodom und Gomorrha. Der Fanatismus, der den Andersgläubigen schon an sich für schlecht und verdammenswert hält und selbst in seinen „Tugenden nur glänzende Laster" sieht, liegt ihm ebenso fern wie überhaupt dem Alten Testament So sehen wir daher die Erzväter ohne Voreingenommenheit und Glaubensdünkel mit Menschen aus allerlei Volk achtungsvoll verkehren. Der Talmud geht sogar noch weiter, wenn 566

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