Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1927)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1927-02-01
- Page
- 565 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob: Abraham Zerstörung gekommen? Was mögen die Menschen, die einst dort lebten, verschuldet haben? Diese moralische Betrachtungsweise ist auch, die der Bibel. Katastrophen stellen die Frage nach Schuld, Ruinen künden vom Zorne Gottes und wollen als eine Warnung betrachtet werden. „Und sprechen wird das spätere Geschlecht und der Ausländer, der aus fernem Lande kommt, wenn sie die Zerstörungen des Landes und die Leiden, mit denen der Herr es heimgesucht, sehen — Schwefel, Salz, und vom Feuer verzehrt das ganze Land, nichts wird gesät, nichts wächst, kein Gras sprießt, gleich der Umkehrung von Sodom und Gomorrha, die der Herr in seinem Zorne und Grimme umkehrte — sprechen werden alle Leute: Wofür hat der Herr also diesem Lande getan, warum dies Entbrennen großen Zornes?" Dies ist der Ursprung der Geschichte von der Zerstörung Sodoms und Gomorrhas durch Feuer und Schwefel, die Gott für ihre Missetaten auf sie herabregnen ließ. Unser Erzähler aber hatte noch eine weitere Frage: War keine Gnade möglich? Diese Frage und die Rolle, die Abraham dabei spielen soll, ist der Grund, warum die Begebenheit in seine Geschichte verflochten und an dieser Stelle (c iS, 19) eingesetzt worden ist Abraham als Fürbitter. Dies ist der Kern der in wichtigen Punkten noch nicht verstandenen Erzählung. Bevor das Gericht vollzogen werden soll, tritt Abraham vor Gott hin und bittet: „Vielleicht sind fünfzig Gerechte inmitten der Stadt, wirst du auch dann vernichten und dem Orte nicht vergeben, um der fünfzig Gerechten willen, die in ihrer Mitte sind?" Und so geht er, nachdem ihm Gott dies bewilligt, immer von neuem in ihn dringend, auf 45, auf 4o, auf 3o, auf 20, auf 10 herab. Darin hat man ein unwürdiges womöglich „echt jüdisches" Handeln und Feilschen sehen wollen. Dieses Gerede wird schon dadurch grundlos, daß Abraham nicht für sich selber bittet und einen Vorteil erreichen will. Er bittet nicht einmal für den Verwandten, den er in Sodom wohnen hat, den Brudersohn, für den er der Mann des Friedens kurz vorher das Schwert gezogen hatte, um ihn aus der Gefangenschaft zu befreien. Es ist allerdings ein Handeln und Feilschen, aber ein wahrhaft verehrungswürdiges, ein Ruhmesblatt für Abraham und ein herrliches Zeugnis seiner Menschenliebe. Er wird nicht müde, wieder und wieder für andere zu bitten und hat, ob er sich gleich als „Staub und Asche" fühlt, die Kühnheit, abermals und abermals den „Richter der ganzen Erde" anzudringen, selbst auf die Gefahr hin, gegen die diskreteren Gepflogenheiten des modernen Kaufmanns zu verstoßen. Man erlaube uns einen Vergleich. Setzen wir den Fall, ein 38* 565