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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 560

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Das christliche Ghetto
Date
1927-02-01
Page
560 (sequence 7)
Language
German
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Alfred Ludwig Schmitz habe, also wieder am Eingang zum Ghetto stehe, überschaue ich noch einmal in Gedanken den ganzen traurigen Komplex. Da erhebt sich allerdings noch einmal der tausendfache Schrei des Entsetzens unter den Kreuzesgläubigen des Ghettos. Die moslimischen Verfolger sind in die engen Gassen eingebrochen. Sie treiben die flüchtigen Kopten vor sich her. Nicht allen gelingt es, die wenigen Hauseingänge zu erreichen, die Türen hinter sich zuzuschlagen. Man reißt ihnen die Kleider vom Leibe und wirft sie zu Boden. Sie werden getreten und geschlagen. Die Flüchtigen in den Häusern wagen lange nicht herauszukommen. Makrizi, der Araber, behauptet, hier in Misr seien die Christen gezwungen worden, Leichen zu essen. Die Ausdauer der Flüchtigen stachelt die Ungeduld der Verfolger. Man holt sie aus ihren Verstecken wie die Füchse aus dem Bau. Nun kämpfen die Kopten um ihr Leben, das ist ein Verbrechen wider die Majestät des arabischen Volkes. Die Männer werden getötet, Frauen und Kinder nach Bagdad in die Sklaverei verkauft Jedem der Christen, den man übrigläßt, wird das Bild des Löwen in das Fleisch gebrannt Den Mönchen wird mit eisernem Stempel die Hand versengt Alter, Eigenname, Klostername werden auf ihr registriert Plötzlich einmal werden die Ansiedelungen umstellt Hände, die ohne dieses Zeichen gefunden werden, sind dem Martyrium verfallen. Sie werden mit dem Schwerte vom Leibe getrennt Alle Christen werden jetzt Hunger zu leiden haben, denn die Ernte ist verbrannt Das Handelsgeschäft ist erschwert, denn man muß in verachteter Kleidung gehen. In schwarzen Stoffen oder mit gelben Streifen, mit bunten Fransen behängt Die Frauen ohne Gürtel, denn das ist das Zeichen der Bescheidenheit Die Männer mit dem Gürtel, denn er soll ihre Demütigung immer gegenwärtig machen. Und sie werden das vorgeschriebene Abzeichen aus Eisen um den Hals sehen lassen. Sie werden auch ein schweres hölzernes Kreuz an ihrem Nacken tragen. Auf Pferden zu reiten, wird ihnen als Hochmut vergolten werden. Der Esel ist das rechte Tier für sie. Hölzerne Steigbügel und Seile als Zügel werden gut dazu passen. Es ist jedem Moslim verboten, einem Christen ein Reittier zu leihen oder ihn über den Nil zu fahren. Hätte der Kopte jemals den Mut haben können, über seiner Türe ein Bild der Gottesmutter mit dem Kinde anzubringen, so hätte er es jetzt gegen ein Tier vertauschen müssen, von dem man nicht recht weiß, ob es ein Affe, ein Hund oder ein Teufel gewesen ist 560

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