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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 559

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Das christliche Ghetto
Date
1927-02-01
Page
559 (sequence 6)
Language
German
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Das christliche Ghetto der die unbekannten Eltern mit einem durch nichts auffallenden Kinde durch fremdes Land zogen. Die Kopten natürlich haben noch heute diesen Glauben. Folgerichtig haben sie die kunstgeschichtliche Schwierigkeit, welche die drei Apsiden des kleinen, nur 6x^/2 m großen Raumes machen, leicht zu klären gewußt Diese winzigen Apsiden sind nicht in der einen Richtung nach Osten angelegt wie bei einer dreischiffigen Basilika, bei der sich links und rechts vom Altare häufig noch eine sich auswölbende Rundung findet In der Krypta strahlen sie nach drei Seiten auseinander: nach Osten, nach Norden und Süden. Das ist nun für die Kopten getrennt der Raum für Altar, für die heilige Familie und für das Eselein. Was ich über St Sergius zu sagen hatte stimmt nicht ganz überein mit den Gefühlen, mit denen ich die Kirche verließ. Sie hatten doch etwas mit der ablehnenden Art zu tun, mit der Flaubert von diesem Räume sprach. Die Zersplitterung der Schiffe durch vielerlei Schrankenwerk in Narthex, neuen Vorraum, Durchgang, Männerabteilung, Querschiff, Haikai (das alles im Mittelschiff vom Eingang aus in der Richtung auf den Altar) hebt fast den Eindruck eines gemeinschaftlichen Be träum es auf. Nur an dem offenen hölzernen Dachstuhl, der über dem ganzen schwebt, habe ich das Modell der Kirche wiedererkannt, das ich auf der römischen Missionsausstellung — eben ohne alle Innengliederung — fand. Erst an diesem erkannte ich auch, wie man den Grundriß von St Sergius als den Prototyp aller alten ägyptisch-byzantinischen Kirchen bezeichnen kann. Die Unsauberkeit der halb verkommenen Kirche, die stumpfen Gesichter der singenden Männer, der habgierige Küster, die Luftlosigkeit des Raumes, sie alle zusammen haben meine unbehaglichen Empfindungen ausgelöst In El-Adra, in Märi Girgis, in St Barbara habe ich nur eine Küstersfrau gefunden. Eine Aufbewahrung des heiligen Brotes kennt der koptische Ritus nicht So sind die Räume in ihrem Schmutz, ihrer Verlassenheit, mit den kunstersatzmäßigen Bildern und dem billigen Altargerät im Grunde recht unerfreulich, wenn man an die unendliche Größe und den nicht überstrahlbaren Glanz des Göttlichen denkt, dem zu dienen sie sich unterfangen. Ich zögere noch immer, ein solches Urteil auszusprechen, obwohl ich auf seine nur relative Richtigkeit und seine geschichtliche Gewordenheit immer wieder verwiesen habe. Jetzt, wo ich All Mualaka, die Marienkirche, erreicht 559

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