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Der Morgen · 1927-02-01 · Heft 6 (Februar 1927) · p. 550

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 6 (Februar 1927)
Article
Franz Werfels "Paulus unter den Juden" [Rezension]
Date
1927-02-01
Page
550 (sequence 8)
Language
German
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Max Eschelbacher Aber dieser Ausgang ist in Werfeis Schöpfung nicht begründet und widerspricht ihr. An diesem entscheidenden Punkte hat er die Wahrheit, die er nach dem innersten Gesetze seines Werkes verkünden muß, nicht klar genug ausgesprochen. Es geht um Ungeheures und zuletzt um das Größte. Das Ende des Gesetzes ist der Tod Israels. „Weißt du, wer Messias ist? Die Vernichtung ist er! Denn wenn dieser Pfeil entschwirrt, zerbricht der Bogen." Wie da Paulus erwidert: „Der Bogen ist zerbrochen. Israel! Und auf ewig!", da fällt Gamaliel über ihn das einzige Urteil, das hier ihm bleibt: „Verräter!" Sobald er aus allem „Rasen von Messias und Liebe" nichts vernimmt, als „den kalten Satan", hat „Israels Selbsthaß" seine Macht über ihn verloren, jetzt hat Paulus sich selbst gerichtet: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz und eine klingende Schelle." Die letzte, tiefste Frage aber bleibt die: Wer war Jesus? Mensch oder Gott? Ist in seiner leiblichen Hülle Gott gekreuzigt worden und wieder auferstanden? Nur wer auf diese Frage mit dem unbedingten Glauben, den Paulus fordert, Ja sagt, nur der darf das Gesetz aufgehoben nennen. Für jeden anderen und gewiß für Rabban Gamaliel gilt das Wort des Paulus: „Ist Christus nicht auferstanden, so ist es nichts mit unserer Predigt, nichts auch mit eurem Glauben." Einem Römer, einem Hellenen, der den Cäsar göttlich verehrt, mochte die Verkündigung des Paulus begreiflich erscheinen. Den großen Rabbi, der ihn beschwört: „Nicht dein Jesus und nicht ich können das Böse bannen, nur das Gesetz, dem wir zum Leben dienen, die heilige Bindung des Menschen", diesen Gamaliel kann Paulus nicht überwinden. Der Zuschauer aber möchte ihm noch entgegenhalten, was Gamaliel nicht wußte und nicht sagen konnte. Werfel zeichnet ihn als den vollkommenen Menschen, ja, als den „freien Herrn über die Sünde". Wenn am Baume der Thora eine solche Frucht wächst, dann ist aller Kampf des Paulus gegen das Gesetz erledigt Nach dem ganzen Verlaufe des Dramas und der Zwiesprache ist deshalb der Zusammenbruch des Gamaliel: „Ich weiß die Wahrheit nicht mehr" unmöglich. Dafür findet Werfel in dem herrlichen Abschluß, der die Zwiesprache krönt, endlich das erlösende Wort Paulus wendet sich zum Gehen und Gamaliel erteilt ihm den Segen: „Wer du auch bist, Mensch (und wenn er der leibhaftige Selbsthaß Israels sein sollte): Der Herr segne dich und behüte dich, er lasse sein Antlitz dir leuchten . . ." Dieser Segen ist nicht der des ster- 550

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