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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 517

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Zur Würdigung der geschichtlichen Bedeutung Moses Mendelssohns
Date
1926-12-01
Page
517 (sequence 4)
Language
German
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Zur Würdigung der geschichtlichen Bedeutung Moses Mendelssohns In der Auslegung der Bibel ist Mendelssohn nicht bahnbrechend, er steht fast durchweg auf den Schultern älterer Vorgänger, aber trotzdem bedeutet sein Werk eine Tat ersten Ranges. Die Auslegung der Bibel wird von ihm wieder auf die Ermittlung des Wortsinns zurückgeführt, der halachische und agadische Midrasch tritt durchaus in den Hintergrund. Nicht, daß Mendelssohn ein Gegner traditioneller Auslegungen ist, er will vielmehr regelmäßig diese mit dem Wortlaut des Schriftwortes in Einklang bringen. Aber er verwertet nicht den Midrasch um seiner selbst willen, sondern er ist ihm nur insoweit für die Exegese wertvoll, als er der vernunftgemäßen Auslegung des Schriftwortes entspricht Insofern knüpft Mendelssohn an die großen Exegeten des Mittelalters, wie Raschi, Raschbam und Rambari an. Der Richtung seines Denkens entsprechend, interessieren ihn besonders grammatische und synonymische Fragen, wobei jedoch oft die Sorge um logische Sauberkeit die Berücksichtigung der Sprachentwicklung und Sprachgeschichte zurückdrängt Seine Kenntnis der außerjüdischen Wissenschaft, soweit eine solche für dieses Gebiet damals in Frage kam, ermöglicht es ihm auch, in zahlreichen Punkten die Ergebnisse seiner Vorgänger zu bereichern und zu vertiefen. Der rationalistische Charakter des Zeitalters tritt auch in Mendelssohns Bibelauslegung in Erscheinung, doch hält ihn seine Gläubigkeit und der Respekt vor dem Schriftwort von platten, natürlichen Erklärungen zurück, wo sie dem Geist des Schriftwortes durchaus widersprechen. Er sieht in den Berichten der Bibel weder das Werk unehrlicher Priester, noch verzückter Mystiker. Stellt man Mendelssohn etwa neben Reimarus, so sieht man neben der Ähnlichkeit der Einstellung, wie sie sich aus dem Zeitgeist ergab, auch den Gegensatz. — Mendelssohn war auch nach langer Zeit wieder einmal ein Apologet des Judentums* dessen Stimme auch im außer jüdischen Kreise gehört wurde und Widerhall fand. Er war ein Apologet in dem doppelten Sinne, daß er sowohl polemisch die Vernunftwidrigkeit der christlichen Dogmen und die Bedenken gegen ihre Glaubensinhalte darzulegen versuchte, als auch positiv die Evidenz des Judentums zu erweisen trachtete. Es ist müßig und hätte höchstens ein historisches Interesse, seine Argumente im einzelnen zu untersuchen und auf ihre Beweiskraft zu prüfen. Das Schwergewicht seiner Leistungen liegt darin, daß er die Aufgabe der Juden, sich mit den religiösen Anschauungen ihrer Umwelt auch im Rahmen der Apologetik auseinander zu setzen, klar erkannte, und diese Aufgabe — die zu allen Zeiten wiederkehrt — in einer für seine Epoche mustergültigen Weise löste.--- 517

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