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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 512

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1926-12-01
Page
512 (sequence 6)
Language
German
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B.Jacob der Ritterschlag und Adelsbrief des Juden: „In deinem Blut sollst du leben 1" Sie ist abgesehen von der Durchbohrung des Ohres bei dem Knecht, der freiwillig für immer in dem Hause seines Herrn leben will, die einzige Antastung des menschlichen Körpers im Judentum, dem selbst der Leichnam noch ein Heiligtum ist Denn sie soll — ganz wie der neue Name — die bloße Geburt ergänzen und den Neugeborenen adeln. Nicht der Zufall allein soll zu einem Sohn Abrahams machen. Indem sie die bloße Abslammung für ungenügend erklärt, ist sie ein Prolest gegen die entscheidende Bedeutung der Rasse, der Maßgeblichkeit des Blutes. Sie ist eine Absage an den triebhaften Trotz, an Widerspenstigkeit und Ungehorsam, an ungezähmle Wildheit, — wie alle Sittlichkeit Korrektur und Veredlung des Natürlichen, daher das „unbeschnittene Herz" ein Bild für Verstocktheit, Unzugänglichkeit und Unerzogenheit, der barbarischen Roheit und Härte ist Die Beschneidung ist das israelitische Gewissen, ein Symbol für das „jüdische Herz" und Einführung in einen Menschenkreis, der sich von ihm bestimmen läßt. Sie ist eine ewige Mahnung zu „Menschlichkeit". Aber sie ist kein Sakrament, das auf übernatürliche Weise wesenhaft innere Eigenschaften mitteilt Insofern sie an bereits Bestehendes anknüpft, was bei der ungemein weilen, für das Altertum allerdings nur spärlich und unsicher bezeugten Verbreitung über die Erde möglich ist, hat sie eine unvergleichliche Vergeistigung und religiöse Vertiefung erfahren. Die wahre in die Geschichte eintretende Religion ist ein Edelreis, gepfropft auf einen Wüdling. Die Mila ist das erste israelitische Gesetz und im ersten Buche der Thora, das sonst nur Geschichte enthält, das einzige. Es wird gegeben, bevor Isaak geboren wird, als ein Beweis für die Ernsthaftigkeit der Verheißung und ihr baldiges sicheres Eintreffen. Als Gesetz führt es daher auch die Sprache des Gesetzes. Es gebietet nicht nur mit Strenge, sondern droht auch für die Unterlassung eine schwere Strafe an. Die schuldige Person, d. i. der Erwachsene, der in der Unterlassung verharrt, „soll ausgerottet werden aus ihrem Volke". In der Gesetzgebung der mittleren Bücher ist diese Strafdrohung sehr häufig, aber immer nur für religiöse Vergehen aus Trotz und mit zwei Ausnahmen nur für Übertretung von Verboten. Es sind mancherlei Vermutungen geäußert worden, was mit dieser „Ausrottung" gemeint ist Am wenigsten ist an ein sofortiges und unmittelbares göttliches Eingreifen zu denken. Die Thora ist weit über die Naivetät von Drohungen heraus, die durch Ausbleiben der Strafe täglich Lügen gestraft werden können. Sondern bei richtiger Erkenntnis 512

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