Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1926)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1926-12-01
- Page
- 513 (sequence 7)
- Language
- German
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Abraham erweist sich diese Androhung als einer der genialsten Gedanken der Thora und ganz im Einklang mit der Vernunftgemäßheit und sittlichen Lebensauffassung des Alten Testaments. Der Ausdruck geht vom Fällen eines Baumes aus. Er bezeichnet also die von Gott nicht abgewendeten Schläge und Axthiebe des Lebens, durch die der Mensch schließlich gefällt wird. Dergleichen treffen jeden Menschen, aber dem Israeliten wird das Unglück ins Gewissen geschoben. Er soll sich fragen, womit habe ich das verdient? und muß es, wenn er sich als schuldig zu bekennen hat, als Strafe auffassen, da sie ihm vorher angekündigt war. So hat sich bei jedem Unglück das Gewissen zu verantworten und so wird der ganze Lebenswandel unter seine Kontrolle gestellt Nur den Israeliten als solchen trifft die Strafe und nur für den Bruch des Bundes mit Gott Denn die sozialen Verbrechen mag die Gemeinschaft ahnden. Demnach gibt es viele Arten der „Ausrottung", und sie ist eine ganz allgemeine prophetische Drohung mit dem im Tode endenden Gerichte Gottes und ein Ausdruck für die Schwere der betreffenden Vergehung sowie eine Sicherung gegen Verletzung des Gesetzes, auch wenn es noch nicht verstanden ist und sich selbst empfiehlt Sie ist sowohl wirksamer als auch natürlicher und überzeugender als Drohungen mit einem Jenseits und seinen Höllenstrafen. Wer sich im Trotze von Gott lossagt, hat sich selber seines Schutzes begeben, denn das Dach schützt vor Unwetter nur den, der sich darunlerstellt Wer es verläßt, hat sich obdachlos, d. h. gott-los den verderbenden Lebensmächten ausgeliefert und überläßt sich durch eigene Wahl ihrer Pein. Und wer als Jude nichts von der Gemeinschaft mit Israel wissen will, muß ihr früher oder später Verloren gehen. Er hat sich selbst „aus seinem Volke ausgerottet". Die Erfahrung bestätigt diese Wahrheit — Die beiden Unterlassungen sind: Beschneidung und Pessach. Denn sie allein sind nicht Übertretungen innerhalb des Gesetzes, unter dessen Geltung man immerhin bereits steht, sondern die Weigerung, in das Gesetz überhaupt einzutreten. Die Beschneidung ist die Aufnahme des Einzelnen, das Pessach die jährlich zu wiederholende der Volksgemeinde in die Gemeinschaft mit Gott „Geh einher vor mir! Sei ganz!" Mit diesem Gotteswort hatte die Offenbarung begonnen. Es soll unverkennbar an das erste, das an Abraham erging, anklingen: „Geh du . . . sei Segen!" Es ist eine zweite Berufung, aber eine vertiefte. Jetzt soll uns klar werden, auf welchem Wege er zum Manne Gottes und ein Segen werden wird. 34 513