Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1926)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1926-12-01
- Page
- 510 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2895450-2895459-2895465-2897313--01497-2897447- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
B.Jacob oder anderen Form immer wieder bilden. Daß sie aber für die Religion Gesamt-Israels nicht in Betracht kommt, beweist das fünfte Buch Moses, dem sie gänzlich mangelt. Auch in den mittleren Büchern tritt sie zurück. Im ersten werden wir ihr noch öfters begegnen, denn dieses handelt nur von einzelnen Personen, denen sich Gott mitteilt Ein Engel aber spricht nie zu einer Menge. Erscheint und spricht er, so ist er eben nur die Herausstellung der persönlichen Innerlichkeit und ihrer Begegnung mit dem Göttlichen, wie hier bei Hagar. 7. Aber der wahre Erbe der Verheißung soll nicht nur von Abraham gezeugt, sondern auch von Sara, seinem ihm an Gesinnung ähnlichen Weibe, geboren sein und von ihr erzogen werden. Dies wird nun (Kap. 17) in einer neuen, der bedeutungsvollsten Offenbarung, dem eigentlichen Bunde, verkündet Er besteht in zweierlei: Der Änderung der bisherigen Namen Abram und Sarai in Abraham und Sara und der Einsetzung der Beschneidung. Der Name spielt in der ganzen Welt, der alten wie der neuen, eine viel größere Rolle, als wir uns gewöhnlich bewußt sind. Er ist keineswegs Schall und Rauch. Der Name soll etwas bedeuten. Er soll die Persönlichkeit und ihr Bild vergegenwärtigen, so daß sich mit der Nennung des Namens sofort bestimmte Vorstellungen, Gefühle und Urteile verbinden. Er ist für das Ohr, was für das Auge das Bild ist Daher ist Name und Namengebung ein gar großes Kapitel in der Menschen-, Volks- und Sprachenkunde. Ist oder bedeutet also der Name die Person, so ist der neue Name ein neuer, anderer Mensch, ein neuer Beruf, ähnlich wie ein verliehener Amtstitel. Indem er den bei der Geburt erteilten Namen ändert oder verwirft, hebt er ihn als einen, nichts mehr besagenden Zufall oder als unzureichend auf. Er ist eine zweite Geburt Das will die Namensänderung von Abram und Sarai besagen. Der Name Abram war, wie wir aus babylonischen Dokumenten wissen, in jener Zeit nicht selten. Jetzt soll er für den Träger der israelitischen Zukunft durch eine ausdrucksvolle Erweiterung — also das einfachste sprachliche Mittel — veredelt und gehoben und damit die Person in einen höheren Rang versetzt werden. Ähnlich der Name Sara, d. h. „Fürstin". Aber der Name ist doch immerhin nur ein Wort und haftet nur an dem einen vergänglichen Menschen. Daher wird mit der Beschneidung (der Mila) ein für alle Geschlechter unverwischliches Zeichen am Leibe eingesetzt Sie ist der ewige Bund (Berit Olam), in den nunmehr jeder männliche Nachkomme am achten Tage nach der Geburt eintritt und aus dem er niemals austreten kann, so wenig er die Tatsache seiner Geburt ungeschehen: 510