Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1926)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1926-12-01
- Page
- 509 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Abraham geben: ein Sklavenmal soll sie ihr machen und sie dann zu den Sklavinnen rechnen.) Das ist also genau der Fall Hagars. Wir sehen daraus, wie treu die Erzvälergeschichte die Kultur und die Rechtsverhältnisse ihrer Zeit widerspiegelt. Der Befehl an Hagar, zurückzukehren und sich zu unterwerfen, entspricht dem Recht, aber sie wird getröstet durch eine großartige Weissagung für den zu erwartenden Sohn, der doch ein Sproß Abrahams sein wird. Wir begegnen ferner hier zum ersten Male einem Engel. Dies Wort (es ist das griechische Angelos, das lateinische Angelus) bedeutet zunächst nichts mehr als Bote und ist die genaue Übersetzung des betreffenden hebräischen Wortes. Solcher Boten hat Gott, der himmlische Herr, viele und vielerlei, und sie sind es, durch die er mittelbar handelt Dazu gehören z. B. die Elemente, wie der Sturm, der Blitz, das Feuer, und im biblischen Sinne würde auch die Kraft des Dampfes, der Elektrizität u. a. gar wohl „Engel" genannt werden können. Alle Naturkräfte, die durch das All walten, sind Gottes Boten, die von seinem „Throne", dem Kraftzentrum der Natur und dem Mittelpunkt der Weltregierung, ausgesandt, unweigerlich seinen Willen nach den in sie gelegten Wirkungskräften vollziehen. Engel sind die gottgewirkten Fügungen, die „Schickungen" des Lebens. Engel sind die Propheten, die in seinem Namen handeln und sprechen. Im engeren Sinne sind es die im Himmel weilenden Wesen, die Gottes Thron umstehen, seiner Befehle gewärtig und den Allheiligen preisend, Vorbild und ideales Gegenbild der Menschen hinieden. Spätere Zeilen vom babylonischen Exil bis zur mittelalterlichen und neueren Kabbala haben aus diesen Andeutungen unter fremdem z. B. babylonischem und persischem Einfluß und aus dem reichen Schatz des Volksglaubens schöpfend, auch in Nachahmung irdischer Regierungs- und Verwaltungsorganisationen, ausgeführte Systeme gemacht Man gab den Engeln Gestalt und Namen, teilte sie in Klassen und Grade und wies ihnen bestimmte Funktionen an. Dies ging aus dem Bedürfnis hervor, die Kluft zwischen Gott und Welt auszufüllen und das göttliche Wirken vorstellbar zu machen und zu systematisieren. Eine religiöse Gefahr für den reinen Glauben an den Einen Gott brauchte dies nicht zu sein, wenn man sich nur der in dem Namen „Engel" liegenden Beschränkung bewußt blieb und nicht etwa statt des Herrn den Diener anbetete. Dann ist die Engelvorstellung nicht bloß eine Bereicherung des religiösen Denkens, sei es als phantasievolle Dekoration der strengen Linie des göttlichen Thrones sei es als eine dramatische Verlebendigung des göttlichen Ratschlusses und Wirkens, sondern wird sich für das persönliche religiöse Erlebnis in der einen 509