Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1926)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1926-12-01
- Page
- 508 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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B.Jacob zu erwerben. Aber zugleich wird Abraham durch ein einer Opferhandlung ähnliches Symbol das düslere Schicksal seiner Nachkommen angedeutet, die Knechtschaft in Ägypten. Drei Geschlechter wird sie ungebrochen dauern, erst das vierte (das unzerteilie Vogelpaar Mose und Ahron) wird das Geschlecht der Freilassung sein. Der Raubvogel, der das Volk vertilgen möchte, ist Pharao*. Abraham, d. L die Erinnerung an ihn und die gegebene Verheißung, läßt es ihm nicht gelingen, und der lebendige Gott selbst wandelt feurig durch die geknechteten Geschlechter, wie er später in Wolke und Feuersäule vor dem Volks einherzieht Dies scheint uns der beabsichtigte Sinn der dunklen Erzählung zu sein. Die Eigenart des Kapitels (i5) besteht darin, daß die Handlung im Leben Abrahams nicht fortschreitet Es enthält nur Visionen und Unterredungen. Es ist der Abschluß der bloßen Verheißungen, denn vom nächsten Kapitel an beginnen sie sich zu verwirklichen. Darum werden sie in kunstvoller Zerdehnung zu einer eigenen Darstellung ausgestaltet Es ist ein Ruhepunkt, um zu verlangsamen. 6. Aber Sara, Abrahams Weib, bleibt kinderlos. Da entschließt sie sich zu einem heroischen Schritt: sie gibt ihm ihre Magd Hagar zum Weibe, ob sie etwa durch diese eines Sohnes teilhaftig werde. Aber als Hagar sich guter Hoffnung fühlt, erhebt sie sich über ihre Herrin. Dafür in strenge Zucht genommen, entflieht sie aus dem Hause. In der Wüste trifft sie ein Gottesbote, der ihr einen Sohn mit großer Zukunft — Ismael soll er heißen — voraussagt und ihr gebietet, zu ihrer Herrin zurückzukehren. — Diese Erzählung (Kap. 16) ist zunächst kulturhistorisch interessant Wie das ganze Altertum und viele Völker bis auf die heutige Zeil, kennt die Bibel noch nicht ein Verbot der Vielweiberei, wenngleich wir schon bei der Erschaffung des Weibes sahen, daß die Schrift unzweifelhaft auf die Einehe hinstrebt Was sie verabscheut, ist die Vielmännerei Eines Weibes. Aber ein Mann kann mehrere Frauen haben, sowohl gleichberechtigte Nebenfrauen, und in der patriarchalischen Zeit wie Jakob sogar Schwestern, als auch Kebsweiber mit minderem Recht Äußerst lehrreiche Einblicke in diese Verhältnisse und ihre gesetzliche Regelung gewinnen wir jetzt durch das mit Abraham ungefähr gleichzeitige Gesetzbuch des schon mehrfach genannten Königs Hammurabi von Babylonien. Da lautet z. B. ein Paragraph: Gesetzt, jemand hat eine Ehefrau genommen, darauf hat sie eine Sklavin ihrem Ehemanne gegeben, darauf hat lelzlere Kinder geboren, hernach hat sich die betreffende Sklavin ihrer Herrin gleichgestellt (so darf, weil sie Kinder geboren hat, ihre Herrin sie für Geld keineswegs weg- 508