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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 500

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Aus der Gedankenwelt des Dibbuk
Date
1926-12-01
Page
500 (sequence 2)
Language
German
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Elsbeth Meyer-Neumann Der Vater führt die vom Dibbuk Besessene zu einem wundertätigen Rabbi; nach fruchtlosem Zureden beschließt dieser, den Bann über den widerspenstigen Geist zu verhängen. Bei der Vorbereitung dazu wird ihm Kunde von einer Klage, die Chanans längst verstorbener Vater im Traum bei einem der rabbinischen Würdenträger des Städtchens gegen Leas Vater erhoben hat Die beiden hatten als Jugendfreunde vor der Geburt ihrer Kinder diese miteinander versprochen. Nun habe der Reiche durch seine Habgier des Armen Sohn verschmäht und dadurch in sündige Verzweiflung gestürzt und so den Vater um das Heil des Seelengebets (Kaddisch) gebracht (3. Akt) Der Geist des Klägers erscheint vor Gericht: Leas Vater büßt mit seinem halben Vermögen zugunsten der Armen. Nun folgt der große Bann und bewirkt, daß der Dibbuk Leas Körper verläßt Während der Rabbi, mit seinem Gefolge zum Empfang des Bräutigams eilt, erwacht Lea aus tiefer Ohnmacht Der Geist des Geliebten erscheint ihr leibhaft Zum ersten Mal bekennen sie einander ihre Liebe. Vereint mit ihm glaubt sie emporzuschweben und sinkt entseelt zurück; die Oberlebenden aber loben nach allem Brauch Gott den gerechten Richter. (4- Akt) Zur Würdigung der etwa vor 5o Jahren spielenden Handlung bedarf es des Eindringens in ihre Umwelt am äußersten Kultursaum Europas. Es ist die Sphäre des Chassidismus, jener um die Milte des 18. Jahrhunderts jenseits der Karpathen entstandenen religiösen Richtung. Eine Umschau in dieser Geisleswelt wird nicht nur dem Westjuden, sondern wohl jedem kulturgeschichtlich Interessierten überraschende Einblicke in uralte Zusammenhänge europäischen Denkens gewähren. Gleich dem fast um ein Jahrhundert älteren deutschen Pietismus ging auch der Chassidismus aus dem Verlangen der Mühseligen und Beladenen nach einer religiösen Lebenssteigerung hervor. Damals führten die meisten Juden Galiziens und der Ukraine in den in jene riesige Waldeinsamkeit gebetteten Ortschaften ein mühevolles, halbbäuerliches Leben, das ihnen weder Zeit noch Kraft Leß, dem Gebot des Thorastudiums nachzukommen. Qualvoll empfanden sie diese Unzulänglichkeit, während die Schicht der Talmudgelehrten stolz auf das unwissende Volk herabsah. Da entstand diesem ein Tröster und Führer in Rabbi Israel aus Miedziborz in Galizien, bekannt als Baalschem (Meister des Gottesnamens, Wundertäter). Im Gegensatz zu den Tag und Nacht über ihren Folianten brütenden Talmudisten war der Baalschem von Jugend an dem Leben in freier Natur und dem Verkehr mit Menschen aller Slände und Bekenntnisse zugewandt 500

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