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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 494

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Der Esra-Apokalyptiker
Date
1926-12-01
Page
494 (sequence 12)
Language
German
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Bruno Violet da er bald entrückt werden solle. Von der Weltzeit, der zehnteiligen, sind 9V2 Teile vorüber. Nun gilt es, das Haus zu bestellen und das Volk tröstend zu lehren. Es kommt ja noch die schlimmste Zeit für das Erdengeschlecht: „Denn es schwindet die Wahrheit und naht sich die Lüge; Herbei eilt der Adler, den du sahst im Gesicht." Ein letzter Auftrag gilt der Aufzeichnung alles dessen, was in der Welt seit Anfang geschehen und was im Gesetze geschrieben ist Nach einer Ansprache an das versammelte Volk, beginnend mit „Höre Israel" (Schma* Israel) bricht eine 4o!ägige Zeit der Niederschrift an, auf dem Felde verlebt, in Begleitung von fünf Schnellschreibern. Zuerst wird dem Ssher heiliger Geist gespendet; ein voller Becher, feuerfarbig, wird ihm zum Trinken gereicht, er trinkt: y)Da sprudelte mein Herz Verständnis, Und strömte mein Busen Weisheit, Mein Geist bewahrte Erinnerung, Mein Mund öffnete sich und schloß sich nicht" In Schriftzeichen, die die Schreiber nicht kannten, schrieben sie jeden Tag, nur des Nachts essend. 94 Bücher in 4o Tagen entstanden. Die ersten 24 muß der Seher offen für alle hinlegen, die talmudisch errechnete Zahl der alttestamentlichen Bücher. Die letzten 70 bleiben den Weisen des Volkes vorbehalten, denn: Jn igt Ader des Verständnisses, Die Quelle der Weisheit und der Strom des Wissens." Nach einer nicht sicher zu bestimmenden Jahresangabe der Niederschrift schließt das Buch: „An dem Tage ward Esra entrückt und in das Land derer geführt, die ihm gleichen" (d. h. der Auserwählten, Heiligen und Seligen). Und er schrieb dies alles und ward Schreiber der Erkenntnis des Höchsten genannt,, welchem Ruhm und Kraft in Ewigkeit" 2. Die Gestalt des Apokalyptikers Esra. Wir haben das merkwürdige Buch kennen gelernt Daß es einst im zweiten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung die Menschen gepackt hat, ist nicht verwunderlich. Kann es doch selbst jetzt, nach über 1800 Jahren, seines Eindrucks nicht verfehlen. Wieviel mehr mußte das für die Zeit seiner Entstehung zutreffen, in der die Menschen ebenso erregt waren durch die gewaltigen politischen Umwälzungen wie der Verfasser selber und gleich ihm neue religiöse Offenbarungen erwarteten und begierig aufnahmen. 494

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