Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1926)
- Article
- Der Esra-Apokalyptiker
- Date
- 1926-12-01
- Page
- 493 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Esra-Apokalyptiker Der sechste Abschnitt enthält das dritte, das „Menschensohn-Gesicht", die Messiasvision nach siebenwöchiger Ruhepause. Aus dem Meere führt der Wind etwas wie einen Menschen herauf. Dieser Mensch fliegt mit den Wolken, sein Blick läßt erzittern, sein Hauch läßt zerschmelzen; er haut einen Berg ab und fliegt auf ihm. Gegen ihn versammelt sich von überall her eine Menschenmasse. Es kommt zum Kampf; aber der Mensch siegt schnell ohne Waffe und ohne Handbewegung; Feuerwellen, Flammenhauch, Sturmfunken aus seinem Munde verbrennen das Feindesheer zu Asche und Rauch. Da kommt eine Friedensschar, von jenem Menschen ins Tal gerufen, einige freudig, andere traurig, einige gefesselt, andere Opfergaben bringend. Dem erschrockenen Seher wird auf sein Gebet die Deutung zuteil, diesmal, ohne daß der Engel deutlich bezeichnet würde. Es ist die Endzeit, die er geschaut hat, jene gefährliche Zeit, die selbst solche bedroht, die „Werke haben bei dem Höchsten und Glauben bei dem Starken". Der Mensch ist der von dem Höchsten für jene Zeit Vorbehaltene, um durch ihn die Schöpfung zu erlösen, die Feinde zu schelten und zu vernichten, die Friedlichen aber zu erlösen. Er ist der „Knecht" Gottes, in der christlichen Überlieferung als „Sohn" Gottes bezeichnet (wofür das griechische Durchgangswort naig die Möglichkeit ergeben hatte). Die friedliche Schar aber besteht aus den einst in das Land „Arzareth" verbannten 9V2 Stämmen, zu denen die im heiligen Gebiete Verbliebenen zugetan werden. Dies Gesicht und seine Deutung zu erhalten, ist Gottes besonderer Lohn an den Seher. Andere schauen dies nur „zu seiner Zeit und an seinem Tage". Er aber erhält es jetzt: „Denn versäumt hast du Deines, um Meines bemüht Und hast mein Gesetz auserkundet; Dein Leben hast du auf Weisheit gestellt Und Einsicht genannt ,meine Mutler'!" Hiermit schließen die drei Gesichte, der Höhepunkt ist erreicht mit der Offenbarung des „Menschen", des Messias. Der siebente Abschnitt zeigt den Seher nicht mehr in Angst, sondern in jubelndem Frohsinn, Gott lobend und seine Wunder preisend. Nach drei Tagen trifft den unter einer Eiche — dem in Schriften dieser Art häufiger vorkommenden Offenbarungsbaum — Liegenden eine Stimme aus einem Dornbusch „Esra, Esra"! Diese göttliche Stimme, die jetzt des Engels nicht mehr bedarf, vergleicht Esras Offenbarungen mit denen, die Mose einst bekommen hat. Sie befiehlt ihm, Zeichen und Gesichte samt ihrer Deutung zu behalten, 493