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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 491

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Der Esra-Apokalyptiker
Date
1926-12-01
Page
491 (sequence 9)
Language
German
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Der Esra-Apokalyptiker brachte. Kurz war die Freude, die Stadt ist gefallen. Aber weil der Seher fromm und von Herzen um Zion betrübt ist, sollte er dies Gesicht auf dem unbebauten Felde haben und wird nun aufgefordert, in die ewige Stadt zu treten und ihren Glanz zu schauen. Hier bricht der Traum ab. Jene plötzliche Verwandelung und dies Abbrechen sind beides Beweise für einen echten Traum eines gottbegnadeten Sehers. Der fünfte Abschnitt ist der seit langer Zeit in der Wissenschaft am meisten erörterte des ganzen Buchs. Da man sich in der nun abgelaufenen Epoche mit einer gewissen Einseitigkeit und Ausschließlichkeit für die rein historischen Fragen nach der Abfassungszeit, Einheitlichkeit und Unversehrtheit antiker Schriften zu erwärmen pflegte, bis wir durch H. Gunkel gelehrt wurden, vor allem das Auge auf stilistische und inhaltliche Schönheit zu richten, trat dieser Abschnitt der Esra-Apokalypse so stark in den Vordergrund, daß er das andere, ja das Wichtigere, fast verdrängte. Dabei ist diese Adlervision zwar für die Datierung des Buchs von höchster Bedeutung, sonst aber m. E. weniger gut erzählt als Früheres und ärmer an ursprünglichen Gedanken. Aus dem Meere steigt ein Adler auf mit zwölf Schwingen und acht Nebenschwingen. Er bedeckt mit seinen Schwingen die Erde und beherrscht sie vollkommen. Nacheinander erhebt sich je eine Schwinge, um zu herrschen, und verschwindet dann; die zweite herrscht am längsten. Nach den zwölf Schwingen auch zwei Nebenschwingen. Der Rest der Nebenschwingen gerät in Unruhe; zwei sondern sich ab, zwei verschwinden nach kurzer Herrschaft, zwei werden von dem bis dahin schlafenden mittleren Haupte gefressen. Das mittlere, größte Haupt herrscht und verschwindet Zwei Häupter bleiben zum Schluß, aber das rechte frißt das linke auf, so daß nur ein Haupt und die zwei abgesonderten, zu ihm haltenden Nebenschwingen übrig bleiben. Da fährt ein Löwe aus dem Walde auf und hält eine wutschnaubende Rede an den Adler, als an das letzte von den vier Tieren, die Gott gemacht hattje (Dan. 7, 3 ff.). Er wirft ihm Übermut, Gewalttat, Gottlosigkeit in dichterischen Versen vor, die so enden: „Und es stieg empor zu dem Höchsten dein Schimpf, Dein Übermut drang zu dem Starken. Und der Höchste sah an seine Zeiten: Gar aus! — seine Welten: Vollendet!" 491

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