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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 489

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Der Esra-Apokalyptiker
Date
1926-12-01
Page
489 (sequence 7)
Language
German
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Der Esra-Apokalyptiker Erneuter Aufschrei: „Besser, die Erde hätte den Adam nicht gebracht, als ihn zu bringen und das Sündigen zu lehren" wird wieder mit dem Hinweise auf Gottes Gerechtigkeit abgewiesen: „Deshalb wird keine Trauer sein über den Untergang der Sünder, sondern Freude über der Gläubigen Leben." Es folgt ein Midrasch über die sieben Middoth, die Namen Gottes, von denen die fünf ersten sicher sind „der Barmherzige, der Gnädige, der Geduldige, der Geber, der Erbarmungsreiche", die zwei letzten auf Konjektur beruhen: „der Gütige, der Verzeihende"; überall wird die Liebe Gottes als seine bestimmende Eigenschaft gezeigt Aber der Trost bleibt aus. Die Gewißheit, daß nur die Wenigen, das Gold, leben bleiben können, beruhigt noch immer nicht „Saug', o Seele, Verstand! Und trink', o Herz, Vernunft! Willenlos bist du gekommen, willenlos gehst du dahin." Wozu ist das Wunderwerk, der Mensch, dessen Geburt und erste Ernährung hier bewundert wird, geschaffen, wenn es so leichthin geopfert werden darf? Hier schließt sich das große und in die Liturgie einer christlichen Kirche, der mozarabischen, übernommene Gebet an, die sog. „Oratio Esrae", mit dem Hinweise schließend, daß Gott gerade dann der Erbarmer sei, wenn er sich deren annehme, die keinen Schatz von guten Werken besitzen. Dennoch erfolgt die Antwort trotz aller Bitten: „Wie der Landmann viele Samen auf das Land sät und viele Pflanzen setzt, aber nicht alles gedeiht, so auch die in der Welt Geborenen „Nicht alle werden leben". „Das Heute den Heutigen, das Einst den Einstigen!" Frage du nicht weiter nach der Menge der Vergehenden, sondern frage nach dem Leben der Gerechten, denen jene Welt gehört und um derentwillen auch diese Welt geworden ist! Ein reizendes Sprüchlein, deutsch ein wenig umgestellt Wie der Acker, so die Saat, Wie die Blumen, so ihr Blühen, Wie der Mähder, so die Mahd, Und der Lohn, wie das Bemühen!" gibt die Zurückweisung unnötiger Fragen. Gott hat von der Traube die Beere und von dem Walde den Sproß verschont „So gehe denn hin die Menge, die nutzlos erschaffen ist, und gerettet werde meine Beere und mein. Sproß, die ich mit vieler Mühe gemacht habe!" 489

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