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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 485

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Der Esra-Apokalyptiker
Date
1926-12-01
Page
485 (sequence 3)
Language
German
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Der Esra-Apokalyptiker mann Gunkel [in Kautzsch, Pseadepigraphen des Alten Testaments (1900) und in einer volkstümlichen. Sonderausgabe (1900)]. Ich beziehe mich in meinen Zitaten naturgemäß auf mein eigenes Werk Wenn man einen Mann kennen lernen will, von dem wir nur ein Buch besitzen und sonst keine genau verbürgte Nachricht haben, so muß man eben; dies Buch lesen oder doch wenigstens seinen Inhalt genau kennen. Deshalb beginne ich hier mit dem Buche selber. 1. Das Buch des Apokalyptikers Esra. Einen Namen hat der Schriftsteller seinem Buche unsres Wissens nicht gegeben. Das ist denen nicht verwunderlich, die in der hebräischen Bibel Bescheid wissen. Man fing an zu schreiben, setzte dem Buche aber nachträglich keinen Titel vor. Taten das Spätere, so war es gut; taten sie's nicht, auch gut; dann zitierte man das Buch nach den einleitenden Worten. Das ist Briefstil, der auch für größere Schriften zu genügen schien. Die Übersetzer haben dann teilweise einen Titel vorgesetzt, so hier z. B. der Syrer: „Buch Esras, des Schreibers, der Schalathiel genannt wird" und ähnlich die anderen. Der Ausdruck „Apokalypse" ist sicher nicht ursprünglich, aber wir verwenden ihn jetzt allgemein für jene große Literaturgattung, die nach heutiger Ansicht mit dem Buche Daniel beginnt und tief in die nachchristliche Zeit hinabreicht, jüdische und christliche Bücher gleicherweise umfassend, besonders da es oft gar nicht leicht ist, genau zu sagen, ob ein solches Buch der Apokalyptik auf jüdischem oder auf christlichem Boden entstanden ist Apokalypse heißt Offenbarung. Diese Literatur könnte man aber ebensogut „Geheimschriften" wie „Offenbarungsschriften" nennen, da ein Schleier des Geheimnisses absichtlich oder auch gewohnheitsmäßig den wirklichen Namen des Verfassers, seinen Wohnort und seine Lebenszeit zu verhüllen pflegt und. absichtliche Dunkelheiten die genaue Kenntnis der Begleitumstände erschweren und oft unmöglich machen. Hierin liegt eine gewisse Verwandtschaft zwischen der Apokalyptik und der Mysterienliteratur. Das Buch zerfällt in sieben Abschnitte, die aber nicht so deutlich gekennzeichnet sind, daß man sie von jeher hätte sehen können. Die alten Übersetzer haben sie sämtlich übersehen, und erst die neuere Wissenschaft hat klar erkannt, daß schon den Aufbau des Buches, gut hebräisch, die heilige Siebenzahl beherrscht Es kann aber außer der Siebenteilung noch eine inhaltliche Drei- 485

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