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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 484

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Der Esra-Apokalyptiker
Date
1926-12-01
Page
484 (sequence 2)
Language
German
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Bruno Violet bisher verschwunden, wenn auch kleine Sätzchen davon aus anderen Büchern erschlossen werden können. Also sind uns die Quelle und ihre erste Ableitung, die Mutter und die Tochter (die Töchter?), fast gleich unbekannt AH unser Wissen gründet sich auf Übersetzungen der Übersetzung, also auf die Enkel, von denen einer oder der andere gar Urenkel sein könnte. Aber deren gibt es nun eine solche Menge, daß trotzdem unsere Kenntnis dieses Rätselbuchs als gut gegründet und gesichert angesehen werden kann. Nur mußte sie in langer, schwerer, dorniger Arbeit gewonnen werden, um die sich gut ein Dutzend von Gelehrten während vieler Jahrzehnte abgemüht hat. Einer von ihnen spricht hier zu dem aufmerksamen Leser. Als solche Enkel nenne ich die lateinische, syrische, äthiopische, die zwei arabischen und die armenische Übersetzung, die wir ganz besitzen, die koptische, von der wir nur ein Bruchstück haben, und die georgische, die noch nicht veröffentlicht ist Ein Buch, das in so vielen Sprachen gelesen worden ist, und wer weiß, in wie vielen noch, war einst ganz gewiß ein Stück Weltliteratur und hat sicherlich einen großen Einfluß auf die Gedanken der Völker um das Mitlelmeer ausgeübt, muß also wert sein, gekannt zu werden. Wer sich näher um seine Überlieferungsgeschichte bekümmern will, der lese das Nötige in der Einleitung nach, die ich meiner Ausgabe „Die Apokalypsen des Esra und des Baruch in deutscher Gestalt", erschienen in Leipzig 1924 (als 32. Band der Griechischen Christlichen Schriftsteller der ersten drei Jahrhunderte, herausgegeben von der Kirchenväter-Kommission der Preuß. Akademie der Wissenschaften), vorgesetzt habe. Dort findet man auch die sicheren Beweise für die hebräische Urform. Wann ist das Buch ursprünglich geschrieben worden? Man hat darüber lange gestritten. Ich setze es in das Jahr 100 n. Chr., also in den Anfang der Regierung des Kaisers Trajan, und kein jetziger Gelehrter weicht von dieser Ansetzung um mehr als etwa ein Jahrzehnt nach vorn oder nach hinten ernstlich ab, so daß der Ursprung hier so sichergestellt ist wie bei wenigen anderen Büchern jener Zeit Als Ort des Ursprungs und Heimat oder Wohnsitz des Schriftstellers kann nur Rom in Betracht kommen, das dieser Mann Babel nennt Wer das Buch lesen will, ohne sich der orientalischen Sprachen zu bedienen oder ohne sich mit dem sonderbaren und oft fehlerhaften Latein im Liber quartus Esdrae der Vulgata (aber dort nur in Kap. 3—14 zu suchen, da Kap. 1, 2 und i5, 16 andere Schriften sind!) abzuquälen, dem empfehle ich neben meiner obengenannten deutschen Übersetzung die deutsche von Her- 484

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