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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 483

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Der Esra-Apokalyptiker
Date
1926-12-01
Page
483 (sequence 1)
Language
German
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Der Esra-Apokalyptiker Von Bruno Violet Wer von uns kennt den feingeistigen, grübelnden, tief betrübten und doch selbstbewußten Mann, der die hebräische Apokalypse geschrieben hat, die einst zur Weltliteratur gehörte und dann für das Abendland im IV. Buche Esra der katholischen Bibel (Vulgata) in wunderlichem Latein aufbewahrt wurde? Und wer hat dies merkwürdige Buch selber gelesen? Es wird nicht viele geben, die darauf mit Ja antworten können. Um so wichtiger und nötiger ist die Darstellung, die wir hier zu geben versuchen. Wir beginnen mit der äußeren Geschichte des Buchs, mit seiner Überlieferung. Die „hebräische" Esra-Apokalypse, so wagen wir sie zu nennen. Denn es kann nach den letzten Arbeilen von Hermann Gunkel,, G. II. Box (England) und B. Violet kein Zweifel mehr darüber walten, daß das Buch in seiner Hauptmasse hebräisch geschrieben war, wenn auch vielleicht ein kleiner Teil, ähnlich wie im Buche Daniel, sich der verwandten aramäischen Sprache bedient haben sollte. Letzteres ist aber bisher unbeweisbar geblieben. Was noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts von Volkmar als „reiner Schwindel" unter Zustimmung von Hilgenfeld und anderen Gelehrten bezeichnet worden war, hat sich seither als reine Wahrheit erwiesen, eine Tatsache, die den blinden Anbetern der jeweiligen Moden in der Wissenschaft zu denken geben muß. Wenn man hierüber so lange im Zweifel bleiben konnte, so liegt dies einfach daran, daß die hebräische Urform verschwunden und bisher durch keinen glücklichen Zufall auch nur in Bruchstückchen wieder gefunden worden ist Aber, was wir nicht haben, kann den Späteren wohl noch zuteil werden. Diese hebräische Urform ist nun ganz sicher ins Griechische übersetzt worden, vielleicht mehr als einmal. Aber auch die griechische Übersetzung ist 32« 483

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