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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 481

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1926-12-01
Page
481 (sequence 19)
Language
German
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Wirklichkeit und antisemitisch« Deutung des Reiches, welches Volk könnte sich mit größerem Rechte das verstreute Volk oder ein Weltvolk nennen?" Würde Stapel auch von diesen Deutschen zu sagen wagen: deshalb seien sie nicht ehrlich ergeben den nationalen Interessen ihres jeweiligen Vaterlandes? Würde Stapel den Polen, Rumänen, Amerikanern recht geben, die behaupten, das politische Verhalten ihrer Staatsbürger deutscher Herkunft richte sich nur nach den politischen Interessen des deutschen Volkes? Würde Stapel aus der Tatsache, daß die meisten europäischen Fürstengeschlechter mit einander versippt sind, die Folgerung ziehen, sie würden nicht eigennationale, sondern fremdnatiohale Politik treiben.1) Zugegeben einmal, viele deutsche Juden hätten gegen Ende des Krieges sich dem Pazifismus zugeneigt. Haben nicht auch viele Millionen von Nichtjuden das Gleiche getan? Kann Stapel irgend einen positiven Beweis dafür erbringen, daß bei der angeblichen Hinneigung der Juden zum Pazifismus irgendwelche Motive mitgespielt haben, die in den Interessen eines vorgeblichen jüdischen Volkstums ihren Ursprung haben?2) Aber wo keine positiven Beweise vorliegen, da hilft das Wort „Internationalismus". Das kann dreierlei bedeuten: Einmal eine Gesinnung, die den sittlich kulturellen Wert volkhafter Sondergebilde leugnet, wie es etwa Fichte in seinen „Grundzügen dss gegenwärtigen Zeitalters" getan hat Dann kann Internationalismus bedeuten, bei aller Anerkennung des Wertes besonderer Völker dahin zu wirken, daß die zwischenstaatliche Anarchie in den Beziehungen der Völker aufgehoben und eine institutionell begründete Regelung dieser Beziehungen herbeigeführt wird, um auf diese Weise die Möglichkeit von Kriegen auf das Mindestmaß einzuschränken. Schließlich aber besagt das Wort Internationalismus eine antisemitische Deutung des politischen Verhallens der Juden, die man etwa folgendermaßen umschreiben kann: Die Juden richten ihr politisches Handeln nicht nach den Interessen derjenigen Nation, zu der sie sich öffentlich bekennen, sondern nach den heimlichen Interessen eines zwischen den Nationen bestehenden politischen Machtgebildes, des Judentums. 1) Vergl. Fürst Bismarcks Reden (Ausgabe Reclam, X. Bd., p. 290/91). 2) Wie wenig die ganze Argumentation besagt, kann man aus der Tatsache erkennen, daß man Kriegsheizer, die man zu Juden stempelte, wie Northcliffe und D'Annunzio, gleichfalls bei uns beschuldigte, sie handelten aus Motiven des Judentums. Argumente, die sich so im Kreise drehen, beweisen nur etwas für die Geistesverfassung der Antisemiten. Das hat sich auch gezeigt in der Art, wie die Antisemiten der Enlenleländer mit Sven Hedin verfuhren. Sie haben die deutschfreundliche Gesinnung dieses Fc-rschungsreisenden darauf zurückgeführt, daß seine Mutter die Tochter eines Judenstämmüngs ist. Das hat den Herren genügt, seine Motive antisemitisch zu verunglimpfen. Difficile est satiram non scribere. 32 4SI

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