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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 482

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1926-12-01
Page
482 (sequence 20)
Language
German
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Julius Goldstein: Wirklichkeit und antisemitische Deutung Mit allen Mitteln einer raffinierten Preßpropaganda, die im Gebiete der Intelligenz die Technik der Vernebelung schon seit langem zu hoher Vollkommenheit gebracht hat, sucht die antisemitische Internationale für diese niederträchtige Lüge Gläubige zu gewinnen — wozu ihr jedes Mittel recht ist, auch derlrr-Sinn der Weisen vonZion. Natürlich läßt Stapel diese auch in seinen Kreisen weitverbreitete Schrift unerwähnt — solche Blößen gibt er sich nicht—, aber was er schreibt, läuft im Ergebnis auf dasselbe hinaus. „Für die jüdischen Zeitungen und Zeitschriften — denken wir an die „Frankfurter Zeitung" — muß das deutsche Interesse stets das gleiche sein wie das des Internationalismus, daher (!) die Menschheitspropaganda . . ." — Daher? Seit den Zeilen, da das völkische Heidentum von dem Geiste der Bibel etwas zurückgedrängt wurde, also lange, bevor es „jüdische Zeitungen" und Zeitschriften gab, wird der Gedanke einer im Frieden geeinigten Menschheit gepredigt Die Gotteshäuser des Judentums und des Christentums sind die Verbreitungsstätten des Menschheitsgedankens, der die Völker zur Geistesgemeinschaft der ewigen Wahrheiten erziehen soll. Für die Idee der Menschheit haben aber zum Glück auch schon einige, wenn auch nichtvölkische Deutsche „von Belang" geworben, nämlich Leibniz, Herder, Kant, Goethe, Schölling und Carl Christian Friedrich Krause. — Als Alexander Dumas einmal gefragt wurde, was schlimmer sei, Böswilligkeit oder Dummheit, antwortete er: Die Dummheit, denn sie höret nimmer auf. Damit müssen auch wir uns abfinden. Gegen die Böswilligkeit läßt sich nur ankämpfen, indem man die Kräfte der Gutwilligkeit stärkt Eingewurzelte Böswilligkeit mag auf sich beruhen bleiben — ihr Geschrei tauscht über ihre Verbreitung; es gilt nur zu verhüten, daß sie die Menschen guten Willens durch falsche Vorstellungen und Irrtümer in ihrem Feingefühl für Recht und Unrecht abstumpfe. Das ist der Sinn des Abwehrkampfes. Was aber das seltsame Urphänomen, die Dummheit, anlangt, so müssen wir uns bescheiden, dem Kampf der Götter lächelnd zuzuschauen. 482

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