Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1926)
- Article
- Völkischer Antisemitismus
- Date
- 1926-12-01
- Page
- 478 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Julius Goldstern essensphäre. In Ländern, in denen die Gleichberechtigung wirklich durchgeführt ist, wie in England, gehören die Juden vorwiegend den konservativen Parteien an; in Ländern mit vorherrschendem Antisemitismus sind sie stärker bei den linksgerichteten Parteien vertreten. Jedenfalls bilden sie nirgends eine geschlossene politische Einheit, es sei denn in der Abwehr gegen den Antisemitismus; weshalb sie von den Antisemiten nach dem Vers Lafontaines beurteilt werden: „Cet animal est tres mechant, Quand on l'attaque II se defend." Aus der Behauptung: der Jude habe „neben dem Deutschtum, das er beansprucht, immer noch sein Judentum" (Deutschtum und Judentum als ethnische Kategorien genommen), folgert Stapel, daß der Jude in den entscheidenden Fragen der politischen und militärischen Lage nicht demselben innerer Zwang unterliege wie der Deutsche. „Der Deutsche ist mit dem Wohl und Wehe des Deutschtums unlösbar und rettungslos verknüpft Ist er nicht mehr Deutscher, so ist er nichts mehr. Dem deutschen Juden aber bleibt bei der Auflösung der deutschen Kultur und Geschichte immer sein Judentum und seine jüdische Geschichte." (p. 4<)-) Soll Judentum bedeuten, eine selbständige politisch und kulturell organisierte Gruppe, auf die sich der deutsche Jude zurückziehen kann, so ist die Behauptung falsch. Der deutsche Jude, dem sein Deutschtum innerste Lebensnotwendigkeit ist, steht unter dem gleichen schicksalsmäßigen Zwang wie der Stammesdeutsche und hat dies auch durch die Tat bewiesen. Überall in den Grenz- und Abstimmungsgebieten, wo es um die Erhaltung des Deutschtums geht, da finden sich die jüdischen Deutschen mit ihren nichtjüdischen Volksgenossen in einer geschlossenen Abwehrfront opferbereit zusammen. Ist aber das Judentum, auf das sich die deutschen Juden zurückziehen können, die jüdische Religion, so wüßte ich nicht, weshalb die christlichen Deutschen sich nicht auch auf ihr Christentum zurückziehen könnten. Ins Jenseits, wie Stapel meint, braucht das nicht zu sein. Denn das Christentum ist oder soll wenigstens sein eine Macht, die schon hienieden selig macht. Und wenn Stapel von der jüdischen Geschichte spricht, die den Juden bleibt bei Auflösung der deutschen Kultur, so dürfte das gleiche auch von der deutfschen Geschichte gelten; diese kann ihnen doch niemand rauben. Aber für seine Behauptung, der deutsche Jude handle aus anderen als nationalen. 478