Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1926)
- Article
- Völkischer Antisemitismus
- Date
- 1926-12-01
- Page
- 472 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Julius Goldstein kann", folgendes zu lesen ist: „Schließlich, sei noch erwähnt, obwohl das ein noli mi längere für den national gesinnten deutschen Studenten ist, daß es eine Judenfrage für das Deutschtum im abgetretenen Gebiete nicht gibt Das Judentum war hier vor der Besetzung außerordentlich stark, ist aber durch die Abwanderung, die die stadtische Bevölkerung besonders betroffen hat, ziemlich zusammengeschmolzen. Es hielt aber, worüber gar kein Zweifel herrschen kann, treu zur deutschen Fahne und bringt große Opfer. Es kann keine Rede davon sein, daß der deutsch erzogene Jude sich polnisch einstellt, obwohl er doch, wenn das Wort vom Internationalismus des Judentums ganz zuträfe, sich gerade in dem grotesk antisemitischen Polen aus Selbsterhaltungstrieb polnisch assimilieren müßle." Der Verfasser dieses Aufsatzes ist H. Heideik, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung des Deutschtumsbundes in Polen. HL Um die antisemitische Politik zu rechtfertigen, versuchen die Völkischen, auch die Bedeutung der Sprache für die Volkszugehörigkeit zu entwerten. Sie tun es freilich nur in der Theorie gegenüber den Juden, in der Praxis — sei es der abwehrenden, sei es der angreifenden — bewerten sie die Sprache als die stärkste Kraft für den Zusammenhalt eines Volkes. Wo immer der völkische Nationalismus in Herrschaft steht, da versucht er die Bildungsanstalten fremdsprachiger Gruppen zu unterdrücken, damit die Staatssprache zur Muttersprache der künftigen Generation werde. Er weiß, es ist der sicherste Weg zur Einvolkung der fremden Gruppe. Um dieser Einvolkung zu entgehen, wehren sich die vom Mutterlande abgetrennten Volksgruppen gegen die Beeinträchtigung ihres Schulwesens, gegen alles, was den sprachlichen und damit den kulturellen Zusammenhang der Generationen stören oder aufheben kann. Sie werden dabei unterstützt von zahlreichen Großorganisationen ihrer Sprachgemeinschaft Ich erinnere nur an das, was in Südtirol und der Tschecholowakei heute vor sich geht Aber auch da, wo der fremdsprachigen Gruppe keine Gewaltpolitik die Muttersprache zu rauben sucht, auch da ist es der Zwang der Verhältnisse, der im Laufe der Generationen mit der neuen Sprache das alte Volkstum aufhebt (Man vergleiche die Anmerkung auf Seite £71-) Die Sprache ist das seelische Kraftzentrum eines Volkes. Es ist nicht zufällig, daß die meisten modernen Nationalitäten erst entstanden im Gefolge ihrer besonderen Sprachen. Es gab kein englisches Volk, ehe nicht Angel- 472