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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 466

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1926-12-01
Page
466 (sequence 4)
Language
German
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Julius Goldstein Gott gesucht und gefunden haben. — Das Stammesbewußtsein geht, wie Franz Oppenheimer einmal ausgeführt hat, auf Vergangenes und verbindet uns mit der Erbfolge jener heroischen Generationen, die der Welt drei der größten Religionen geschenkt haben. Volksbewußtsein aber geht auf Gegenwärtiges, auf alle jene Momente, die ich oben angegeben habe.1) Was jedoch aus der Notwendigkeit begrifflicher Darlegung nebeneinander gestellt werden muß, ist in der Wirklichkeit des Lebens eine ungeschiedene Einheit Unser Judentum lebt in inniger Wechseldurchdringung mit unserem Deutschtum. Wer uns theoretisch beweisen will, diese Lebenseinheit von Deutschtum und Judentum sei unmöglich, dem antworten wir: Wenn Eure Theorie dem Konkret-Lebendigen unsrer Existenz widerspricht — um so schlimmer für Eure Theorie. Wir halten es mit dem Goetheschen Wort: „Kein Lebendiges ist eins, Immer ist's ein Vieles." Unsere „geeinte Zwienatur" ist nicht ein künstliches Gemachte, sondern ein gewachsenes Gebilde, für das wir nicht um Toleranz bitten; wir fordern Anerkennung. Wir verkörpern einen Menschentypus, der in vorbildlichen Gestallen, wie Gabriel Rießer, Steinthal, Lazarus, Rathenau edle Verwirklichung gefunden hat Nach ihnen, nicht nach den unbeträchtlichen und subalternen Verkörperungen wollen wir beurteilt werden, mag daran Ärgernis nehmen, wer immer dem engvölkischen Gedankenkreis einer irregehenden Zeitmeinung verfallen ist Wir sind nicht und wollen nicht sein ein Abklatsch irgendeines der vielen Typen des deutschen Volkes — im Hause des Deutschtums ist auch!) Es s«ien hier die Worte wiederholt, die Franz Oppenheimer zu dem Thema äußert: „Hier klafft der erste große Unterschied zwischen den Ostjuden ' und denjenigen zwischen uns Westjuden, die in der Kultur ihres Geburtslandes aufgewachsen sind. Wir sind sämtlich Kulturdeutsche, Kulturfranzosen, Kulturengländer, Kulturamerikaner usw., weil wir das Glück haben, Kulturgemeinschaften anzugehören, die in der ersten Reihe der Völker stehen, weil es uns eine Ehre ist, unsere weltberühmten Denker, Forscher, Künstler und Erfinder die unsern zu nennen. Wir können nicht Kulturjuden sein, denn die jüdische Kultur, wie sie in den Ghetti des Ostens aus dem Mittelalter herübergerettet worden ist, steht unendlich tief unter der neuzeitlichen Kultur, deren Träger unsere Völker sind. Wir können nicht rückwärts und wollen nicht rückwärts; wenn wir gebildeten Westeuropäer z. B. in uns hineinleuchten, so finden wir uns zu 95% zusammengesetzt aus westeuropäischen Kulturelementen — die Ostjuden aber können unmöglich Kulturrussen, Kulturrumänen, Kulturgalizier sein, so wenig wie König Karol oder Carmen Sylva. Sie müssen Kulturjuden sein so weit sie nicht durch eine überaus seltene Gunst der Erziehung bereits Kultureuropäer geworden sind, — denn die mittelalterliche jüdische Kultur steht gerade so hoch über der osteuropäischen Barbarei, wie sie tief unter der westeuropäischen Hochkultur steht." (Israelitisches Gemeindeblatt, Köln, 23. Jahrgang, Nr. 8.) 466

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