Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1926)
- Article
- Zum eignen Schaffen
- Date
- 1926-12-01
- Page
- 461 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum eignen Schaffen des grandiosen österreichischen Barock und des innigen österreichischen Biedermeier- Solange dieses and jenes in mir wirkte, hatte ich der Dichtung und der Literatur beinahe ganz vergessen, die doch mein Haupt- und Quellgebiet ist und bleibt Und ähnlich Landschaften. Die Landschaft meines „Acker" ist die des Dachauer Moors, die Hochebene unweit von München; geht man auf ihren Erdwellen, so versinkt Horizont nach Horizont, Horizont nach Horizont eröffnet sich und was immer erblickt wird, steht vereinfacht in großem Umriß vor dieser unermessenen Weite: ein Baum, eine Scheune, ein Schimmel, ein Pflüger. Diese Landschaft, diese Bilder, erblickt der verstehende Leser in den Gedichten des „Ackers". Hatte also diese Landschaft diese Gedichte gezeugt? Mit nichten! Eben diese mir noch unbekannte Landschaft hatte ich vor dem inneren Auge erblickt, wenn ich als Primaner in den Abendstraßen des Berliner "Westens spazieren ging, und ich siedelte auf ein Jahr nach Dachau über, weil ich diese Landschaft damals als die Wunschlandschaft meiner Seele, als die imaginäre Heimat meiner Gedichte fühlte. „Die Ebene" sollte der „Acker" zuerst heißen. Dann ergriff mich das Erlebnis des Meeres, vor allem der Nordsee, aber nicht so tief, daß es sich in wesenhafteren Gedichten auswirkte. Wie ich aber ahne, daß mir im Bereich der Baukunst noch einmal das gotische Geschehnis, zuteil wird, so auch die Landschaft des südlichen Meeres. Das Wesen der großen Ströme ging in mir auf und alsbald das der kleineren Gebirgsflüsse und der Achen; den Seen des Gebirges und des Vorgebirgslandes wurde ich Freund; dem vielfältigen Gebirge fühle ich mich nun verbunden. Eine aber ist mir in all der Zeit immer als Landschaft über allen Landschaften geblieben, und ich glaube, daß es meine inwendige Landschaft ist: hymnische Sicht von hoher Kuppe des Gebirges über ausgebreitete Weiten; Gebirge ringsum, rings unten Ströme, Seen, Wälder, Dörfer, Städte. Der Blick, mit dem ich von der Himmelgasse auf dem Kobenzl Wien und die Wiener Berge und die Donauebene bis fern zu den Karpathen, mit dem ich von der Kapellenstraße über Wiesbaden Stadt und Ebene bis fern zum Rhein und dem Mainzer Dom umfing; und heute wiederum wohne ich weit fern der eigentlichen Stadt, in einem äußeren Bezirke von Wien. Oft sehe ich von den zahlreichen kleinen Hügeln und Erhebungen in der Nähe meiner Behausung, oft auch von den großen Ausläufern des Wiener Waldes, Kobenzl, Kahlenberg, über das niederösterreichische Bergland bis nach Steiermark und die Donau hinab ins Burgenland hinein. Solche Schau wird ein teilnehmender Leser nicht selten in meinen 46t