Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1926)
- Article
- Zum eignen Schaffen
- Date
- 1926-12-01
- Page
- 455 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum eignen Schaffen Mythen": eine locker gefügte Folge, die dennoch von den Ahnen und von der Geburt über Jugend, beide Ehen, Mannes- und Greisenzeit bis zum Sterben und zur Verklärung nach dem Tode reicht Mein Streben war, durch nichtrealistische, visionäre Gestaltung die individuell-historischen Bedingnisse und Tatsachen zu lösen und zu läutern; in den beiden Gedichten „Die Bachischen" versuchte ich unmittelbar in Gleichnis und Anschauung darzustellen, wie Bach aus einer großen und breiten Tradition hervorwuchs, wie sie in ihm mündete und gipfelte. Ungefähr gleichzeitig entstand der verwandte kleine Zyklus „Bruckner", der aber erst später vollendet und veröffentlicht ward. Aus einzelnen Gedichten balladischer oder erzählender Art hatte ich einen Band „Die Chronik" bilden wollen; aber er wurde gewissermaßen in der Anlage, von innen her, zersprengt, denn manche Gedichte begannen zu treiben und auszuschlagen, verwandte und entgegengesetzte Motive wuchsen herzu. So waren aus einem Bach-, einem Brucknergedicht ganz von selbst Zyklen geworden, so erwuchsen die kleineren Luther-, Beethoven-, Goethekreise (auch ein kleiner Zyklus „Adam Krafft" entstand, von dem aber nur ein Gedicht ausreifte)- Diese kleineren schlössen sich nun wiederum zu einem größeren, einem Zyklen-Kreis zusammen: das Kapitel „Schöpfer" in dem späteren Buche „Die Ewigen Pfingsten". Eigentlich müßten „Bach" und „Bruckner" dort eingereiht werden, aber sie sind zu umfangreich und daher nur durch ein Gedicht, beispielhaft, vertreten. Mitten im Kriege, in der ungarischen Etappe, in der ich als Landsturmmann diente, damals abkommandiert als Redakteur einer Feldwochenschrift, mitten in einer zunächst unfruchtbaren und schmerzhaften Zeit, in der das Erlebnis des Krieges und zugleich vielfältig persönliche Schicksale auf mir lasteten, kam mir der Gedanke, aus der ungeordneten Masse meiner vielen ungedruckten Gedichte jene drei Gruppen auszusondern: „Pfingstgesänge", „Schöpfer", „Psalmen", und sie unter dem Titel „Die Ewigen Pfingsten" zu vereinigen. Und wiederum ordnete sich damit der Kreis der Schöpfergedichte nochmals einem übergeordneten Kreis ein, dem pfingstlichen. Hiervon später. Die Gesänge und Bilder dieses Bandes sind, dem Format nach, überlebensgroß und überpersönlich konzipiert, hingegen der Gedichtband „Der Inwendige Weg" ist eine Art lyrischen Tagebuchs, bekenntnishaft, lebensgroß, persönlich gemeint Er war zwar nicht als ein Ganzes geplant, ganz und gar nicht, aber als ich ihn zusammenstellte, schwebte mir doch vor, ein Ganzes zu bilden, eben einen inneren Weg. Ein Freund meiner Dichtung, der sich besonders bemüht 455