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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 448

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Das Frauenproblem in der gegenwärtigen Welt
Date
1926-12-01
Page
448 (sequence 18)
Language
German
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Margarete Susmann dunklen Leidenschaft ihrer unbewußten Sendung ihre Seele auf dem Wege verschenkt hat Sie hat sie verschenkt an den Mann, der ihrer hellsten wie ihrer dunkelsten Sehnsucht entgegenkommt Sie hat die Sphären verwechselt Ihre Liebe ist in einer gottentfremdeten Welt zu einer Art religiöser Hörigkeit geworden. Das ist die große metaphysische Schuld der Frau. Sie, die dem Hochmut und Übermut des Geistes die stille Macht der Seele hätte entgegensetzen müssen, hat durch ihre Liebe den Geist des Mannes, seine Wesensart erst völlig vergottet, vergöttert, vergötzt Es ist der ewige Sündenfall des Wreibes; als Verführung zur Loslösung von Gott zur unbedingten Freiheit des Geistes erfahren wir die erste Verführungstat der Frau. Und mit dieser Tat hat sie sich selbst weit tiefer als den Mann verraten. Immer wieder ist es darum diese Schuld, die, wo die Frau sich auf sich selbst als Menschen besinnt, in ihr Bewußtsein herauftaucht; aber nie zuvor hat sie so klar wie in der heutigen extrem vermännlichten europäischen Welt ihr Gesicht enthüllt Darum ist auch die Revolution der Frau heute von so entscheidender Bedeutung. Und darum greifen weit tiefer als alle politischen und sozialen Änderungen an den Kern der weiblichen Schuld die Versuche der Umgestaltung des erotischen Lebens. Sie alle sind, als Ganzes gesehen, ein Ringen der Frau, die verschenkte Seele zurückzugewinnen, sie von langer schmachvoller Hörigkeit zu lösen. Was in der Zeit der Romantik einige erlesene Frauen ganz persönlich begannen: die Verwirklichung einer neuen Selbständigkeit in ihrer Liebe, unabhängig von fremder Form und bürgerlicher Überlieferung, das hat unsere heutige Welt weit durchgehender und entscheidender wieder aufgenommen — auch hier wieder getragen von der großen allgemeinen revolutionären Welle und auch schon von den veränderten sozialen Verhältnissen selbst Gerade darin liegt freilich auch die menschliche Eingeschränktheit und Gefahr der heutigen Bewegung. Dieses tiefst menschliche, zarteste und gefährdetste Gebiet kann würdig nur rein subjektiv-heroisch oder rein objektiv: als Folge einer radikalen Umbildung des gesamten sozialen Lebens umgestaltet werden. Eine Vermischung, wie sie bei uns heute vorliegt, bringt beides jbti Gefahr, nimmt dem Persönlichen seine heroische Wahrheit und beraubt das Soziale seines über alles Persönliche hinausliegenden Ernstes. Die bloße Allgemeinheit ohne Form und Sinn ist solcher Umwälzung selbstverständlich nicht gewachsen. Viel bloße, dumpfe Zügellosigkeit und Ziellosigkeit geht denn 448

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