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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 445

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Das Frauenproblem in der gegenwärtigen Welt
Date
1926-12-01
Page
445 (sequence 15)
Language
German
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Das Frauenproblem in der gegenwärtigen Welt Das sind die ewigen Symbole der männlichen und der weiblichen Art zu sein; der aus Geist und Stein hoch über die Erde emporsteigende, sich selber tragende Turm als Symbol des männlichen Seins — und dagegen als Symbol des weiblichen: der aus dumpfer Nacht mit seinem ganzen Sein sich loswindende, vor allem menschlichen Tun und Bilden geheimnisvoll vollendete Schmetterling: das höchste Geschaffene und das tiefste Wirkliche. Es sind die Symbole des Geistes und der Seele. Mit dieser Einsicht aber erhebt sich die Grundfrage, die die Wurzel des gesamten Frauenproblems ist: Wie kommt die Frau von dieser tief versponnenen Form ihres Lebens aus zur Gemeinschaft? Wie soll sie von hier aus den Weg zum Wort, zum Geist, zur Tat, zur Darstellung, zu allen Vermittlungen ursprünglichen Lebens und damit zum anderen Menschen finden? Unlösbar, unentrinnbar scheint sie in sich, in ihr Sein verstrickt Kein) Weg in die Welt der Gemeinschaft scheint ihr offen zu stehen. Sie kann nur ruhen oder sprengen — nur haften oder fliegen. Das Schreiten ist ihr fremd. Sie ist das völlig Weglose. Alles was Weg ist, gehört dem Reich des Mannes. Das ist es, warum der Geist die Seele fürchtet Sie kennt die Ordnung seiner Wege nicht und sie kann sie nicht wie er achten. Ihrer Unmittelbarkeit gegenüber sind sie fremd und nachträglich. Sie kennt nur eine Frage, ist nur eine Frage, und in dieser Frage wohnt die Kraft, die ganze Welt des Geistes zu sprengen. Und dennoch ist es der Frau als lebendem, mitlebendem Menschen aufgegeben, den Weg zur Gemeinschaft zu suchen und das bedeutet für sie, sich selbst zu verlassen. — Die Gestalt, in der einer der größten deutschen Denker die Frau aus der mittelalterlichen Verdammnis gelöst hat, indem er im Bild einer Frau das Bild der Seele in ihrer strahlendsten Kraft und Reinheit gezeichnet hat: Meister Eckarts Schwester Katrei weist die Vermittlung: „Ich weiß wohl, daß keine Frau zum Himmel gelangen kann — sie wäre denn zuvor ein Mann geworden. Was sagen will: sie müssen männliches Werk tun und männliche Herzen haben in ihrer ganzen Stärke, damit sie sich selbst widerstehen können und allem, was schlecht ist" Dies Wort spricht es aus: der einzige Weg der Frau ist ein Umweg. Sie bedarf seiner, um über ihr Eigenes hinauszukommen: um die fast unübersteiglichen Gefahren zu überwinden, die ihr aus ihrer vorethischen Ein- 445

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