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Der Morgen · 1926-12-01 · Heft 5 (Dezember 1926) · p. 432

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 5 (Dezember 1926)
Article
Das Frauenproblem in der gegenwärtigen Welt
Date
1926-12-01
Page
432 (sequence 2)
Language
German
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Margarete Susmann der Frauen nur ein Teil einer größeren, umfassenderen war, die die ganze Welt erschütterte: jener Krisis des gesamten Wahrheits- und Wirklichkeitsbewußtseins, die um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts alle Gebiete gewaltsam in sich hineinriß, in der sich alle Wertungen verschoben, alle Lebens- und Geistesformen erweicht und aufgelöst haben. Die Frauenbewegung als ein Teil dieser Revolution, dieses Erwachens der Wirklichkeiten zu sich selbst, nimmt zugleich in ihr eine besondere Stellung ein. Halb geschieht sie im Kampf, halb Seite an Seite mit der großen Gesamtbewegung. Die Kampfstellung gegen den Mann und seine männliche WTelt ist ihr von Anfang eigen und kommt in ihrer politischen Haltung zu extremem Ausdruck, und doch ist sie zugleich, schon als ein Teil der sozialen Frage, den Bestrebungen der männlichen Welt beigeordnet Aber die politische wie die soziale Bewegung sind in ihr nur Vorstufen. Erst in dem Augenblick, wo sich der politische Sturm der Frauenbewegung gelegt hat, wo ihre sozialen Forderungen zu einem wesentlichen Teil erfüllt sind, wird Raum für die Frauenfrage in einem weit tieferen Sinne: in dem entscheidenden Sinne der Lebensbedeutung des weiblichen Seins. Aber gerade hier, wo die Frage sich ganz rein zu stellen scheint, wird die Mischung des männlichen und weiblichen Anteils unentwirrbar. Hier sind Mann und Frau so innig verwachsen, daß, sie rein voneinander zu lösen, Widersinn und Zerstörung sein müßte. Gerade hier flammt darum das eigentliche Problem auf. Nun erst, wo die Frau nicht nur in der äußeren Sphäre: im Politischen und Sozialen, sondern als ganzer Mensch, als eigenes Sein ihren Platz neben dem Manne beansprucht und vertritt, erhebt sich von ihr selbst wie vom Manne aus mit aller Leidenschaft die Frage: mit welchem Recht? Nun erst entbrennt der Kampf um das unteilbar Gemeinsame: der Kampf um Sprache und Bild. Es mußte zu diesem Kampfe mit innerer Notwendigkeit kommen; denn in dem Bild der Frau, wie der europäische Mann es gezeichnet hat, ist etwas* bei dem die Frau sich nicht für immer beruhigen konnte. Zwischen den Bildern des Mannes vom Manne, die die europäische Welt begrenzen: zwischen Adam — sei er Prometheus, Faust oder selbst Luzifer — auf der einen und Christus auf der anderen Seite: zwischen dem Frevelnden oder der Erbsünde Erlegenen und dem von ihr Freimachenden, liegt die Fülle der Gestalten; die Welt selbst ist der Weg zwischen ihnen. Zwischen den Randbildern der Frau: zwischen Eva, die die Sünde in die Welt bringt, und der unverführbaren Ma- 432

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