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Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 392

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Adolf Bartels und Wilhelm Fischer
Date
1926-10-01
Page
392 (sequence 3)
Language
German
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D. Herzog der Gemeinderat habe damit eine sittliche Pflicht erfüllt; Hof rat Heinrich Wastian, der feinsinnige Förderer künstlerischen Schaffens, hat in einer Festrede der Bewunderung und Wertschätzung für den Dichter rückhaltlos Ausdruck gegeben. So wurde Fischer von den Besten in der „deutschesten" Stadt, in Graz, gefeiert In allen Reden und Aufsätzen wurde von Menschen der verschiedensten Parteirichtung die deutsche Gefühlsart dieses Dichters besonders hervorgehoben. „Fischer ist ein Stück des alten Österreich, das trotz aller gegenseitigen Behauptungen ein Germanisationszentrum gegen den vordringenden Orient geblieben war. ... In Fischers Werken vereinigt sich die Schönheit^ der Antike mit der Ethik des Christentums, beide erfüllt von der Tiefe deut- / scheu Denkens und Fühlens." (Grazer Tagespost 19. April 1926.) In ähnlichem Sinne äußern sich auch die Literaturhistoriker Otto von Leixner, Soergel und Karl Stork. — Es entbehrt nun nicht der Pikanterie, daß gerade in der deutschesten Stadt, in Graz, wo nicht wenige dem jüdischen Blute bis ins zehnte Geschlecht nachspüren, der Jude Wilhelm Fischer zum Grazer Stadtpoeten und Ehrenbürger ernannt worden ist, und daß alle die anerkennenden Urteile über Fischer als deutschen Dichter von rein arischen Männern stammen, an deren Arier tum selbst ein Bartels nicht mit Zweifeln sich wird heranwagen dürfen, — wobei allerdings beachtenswert ist, daß alle diejenigen, die für die Ehrung Fischers eintraten, die jüdische Abstammung des Dichters verschwiegen; nur der sozialistische Stadtschulrat Dr. Speck erwähnte die Tatsache.1) Hier haben wir nun einen klassischen Fall, der alle Voraussetzungen der Bartelsschen Literaturforschung über den Haufen wirft Denn bei Fischer treffen ausnahmslos alle von Bartels aufgestellten Leitregeln für die Ermittlung der jüdischen Abkunft zu. Wilhelm Fischer (übrigens ein bei Juden häufig vorkommender Name) ist Vollblutjude, dessen Vater und Mutter bis an ihr Lebensende in Treue und Liebe dem Judentum ergeben waren. Und Fischer selbst war noch lange Zeit Jude, hat die jüdische Volksschule in Csakaturn, im ehemaligen Ungarn2), besucht und jüdischen Religionsunterricht genossen. Sein Vater, der bei einem in Kroatisch Kreuz3) wohnenden Sohne, Karl Fischer,!) Das großdeutsch«, antisemitisch eingestellte „Neues Grazer Tagblatt" nannte den Hinweis Dr. Specks auf Fischers Rassenzugehörigkeit „eine Geschmacklosigkeit". Wie doch die Herren zuweilen mit ungleichem Maße messen 1 2) Jetzt Cacovac in Jugoslavien. 3) Jetzt Krizevci in Jugoslavien. 392

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