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Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 391

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Adolf Bartels und Wilhelm Fischer
Date
1926-10-01
Page
391 (sequence 2)
Language
German
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Adolf Bartels und Wilhelm Fischer Beurteilung eines Werkes dieses selbst erst in letzter Reihe zum Gegenstand der Prüfung gemacht wird. Denn wenn tatsachlich jüdische Abkunft eine so ganz anders geartete Geistigkeit und künstlerische Formung aufweisen, dann bedarf es doch wahrlich nicht noch der erstgenannten vier Erkennungszeichen, die ja doch in vielen Fällen täuschen können. Das ersieht man am besten daraus, daß Bartels in seinem Buche nicht selten Dichter und Schriftsteller zu Juden stempelt, in deren Adern ganz gewiß bis in weite Geschlechter hinauf ein jüdischer Einschlag nicht nachzuweisen ist So hat Bartels, jtim nur ein Beispiel herauszugreifen, von Hermann Bahr einst behauptet1): auch wenn er ihm Taufscheine seiner Vorfahren bis ins zehnte Glied vorlegen könne, sei er doch ein Jude, eine Annahme, die er in seinem neuesten Buche mit der allerdings recht fadenscheinigen Bemerkung widerruft, daß das „Spielerische" (was soll das bedeuten?) in Bahrs schriftstellerischer Art schlecht die Annahme jüdischer Abstammung vertrage.2) Und umgekehrt werden nicht selten Vollblutjuden mit einer nichtssagenden Geste zu Ariern gestempelt, weil ansonst die ganze Theorie in ihr Nichts zerfiele. Die Haltlosigkeit dieser ganzen Theorie wollen wir an einem greifbaren entscheidenden Beispiele dartun. Am 18. April d. Js. hat Wilhelm Fischer3), der „Grazer Stadtpoet", unter zahlreicher Beteiligung weitester Schichten der Bevölkerung seinen 80. Geburtstag gefeiert Fast alle Grazer Tagesblätter haben in geradezu dithyrambischen Artikeln, Festgrüßen und Festgedichten . den Dichter gefeiert Das Joanne um, diese vornehme Stätte steierischer Bildung und Sammeltätigkeit, an der Fischer jahrzehntelang mit größtem Erfolge gearbeitet hat, hat durch A. Luschin-Ebengreuth, den bedeutendsten Rechts- und Kulturhistoriker Österreichs, die Gefühle der Verehrung und Wertschätzung für den Dichter aussprechen lassen. Bürgermeister M u - c h i t s c h, der dem Jubilar das Diplom über die vom Gemeinderate einstimmig beschlossene Ehrenjnirgerernennung überreichte, begleitete den Akt mit den Worten: Wilhelm Fischer sei der erste, dem diese Ehrung zuteil werde und *) Kritiker und Kritikaster, Leipzig zgo3. 2) Bartels, Jüdische Herkunft usw., S. 114* s) Von seinen Werken seien hier namentlich genannt: Atlantis, 1880, 2. Aufl. 1911; Sommernachtserzählungen, 1882, 3. Aufl. 1911; Anakreon, i883; Lieder und Romanzen i884; Der Mediceer, 1894; Grazer Novellen 4- Aufl. 191 x; Die Freude am Licht, 1902; Poetenphilosophie 1904; Lebensmorgen, 4« Aufl. 1907; Sonnenopfer, 4* Aufl. 1909; Friedrich Nietzsches Bild, 1910; Der Traum vom Golde, 3. Aufl. 1912; Aus der Tiefe, 4. Aufl. 1923; Alltagszauber, 3. Aufl. 191$; Wagemut, 1917. Über die weiteren Schriften vgl. Kürschners, Deutscher Literatur-Kalender fürs Jahr 1926, S. 25z. 39t

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