Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 390

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Adolf Bartels und Wilhelm Fischer
Date
1926-10-01
Page
390 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2895450-2895459-2895464-2897149--01337-2897267
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Adolf Bartels und Wilhelm Fischer Von D. Herzog Adolf Bartels, der antisemitische Literarhistoriker, hat vor kurzem seinen zahlreichen Büchern ein neues hinzugefügt: „Jüdische Herkunft und Literaturwissenschaft, eine gründliche Erörterung", in welchem er einen von ihm längst gehegten Plan durchführt: die Schaffung eines Katasters jüdischer Dichter und Schriftsteller.1) Bartels hält die Werke von deutschen Schriftstellern jüdischer Abstammung für ein Gift, das unter allen Umständen aus der deutschen Literatur ausgeschieden werden muß, und darum stellt er in diesem Kataster Warnungstafeln auf, die dartun sollen, wie man sich vor diesem Gift bewahren kann. Er bietet in seinem Buche gewisse Leitregeln, sogenannte Erkennungszeichen, mit deren Hilfe man in der Lage sein soll, den jüdischen Ursprung eines Werkes und seines Verfassers untrüglich festzustellen. Als solche dienen ihm: i. Name. 2. Religion. 3. Angabe des Geburtsortes (wobei das Verschweigen des östlichen Geburtsortes Indizienbeweis ist). 4- Die persönliche Anschauung (Anschauung im Bilde). 5. Das Werk. Auch verspricht sich Bartels viel von der von Sievers ausgebauten Schallanalyse, weil sich auf diesem Wege eine besondere jüdische Sprachkurve feststellen lassen soll.2) Ist es nun an sich schon bedenklich, auf Grund solcher Merkmale Wert und Unwert eines Werkes festzustellen, so ist es geradezu absurd, wenn bei 1) Leipzig ig25, Bartels-Bund. 2) Ziele und Wege der Schallanalyse, Heidelberg 1924. Auf Grund dieser Analyse muß allerdings Goethe Halbjude gewesen sein, denn die Schallkurve eines reinen Ariers klingt aus in: rund — rund, die Heines, eines reinrassigen Juden, in: spitz — spitz, während die Goethes in spitz — rund ausklingt, mithin sehr verdachtig ist. 390

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.