Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1926)
- Article
- Adolf Bartels und Wilhelm Fischer
- Date
- 1926-10-01
- Page
- 390 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Adolf Bartels und Wilhelm Fischer Von D. Herzog Adolf Bartels, der antisemitische Literarhistoriker, hat vor kurzem seinen zahlreichen Büchern ein neues hinzugefügt: „Jüdische Herkunft und Literaturwissenschaft, eine gründliche Erörterung", in welchem er einen von ihm längst gehegten Plan durchführt: die Schaffung eines Katasters jüdischer Dichter und Schriftsteller.1) Bartels hält die Werke von deutschen Schriftstellern jüdischer Abstammung für ein Gift, das unter allen Umständen aus der deutschen Literatur ausgeschieden werden muß, und darum stellt er in diesem Kataster Warnungstafeln auf, die dartun sollen, wie man sich vor diesem Gift bewahren kann. Er bietet in seinem Buche gewisse Leitregeln, sogenannte Erkennungszeichen, mit deren Hilfe man in der Lage sein soll, den jüdischen Ursprung eines Werkes und seines Verfassers untrüglich festzustellen. Als solche dienen ihm: i. Name. 2. Religion. 3. Angabe des Geburtsortes (wobei das Verschweigen des östlichen Geburtsortes Indizienbeweis ist). 4- Die persönliche Anschauung (Anschauung im Bilde). 5. Das Werk. Auch verspricht sich Bartels viel von der von Sievers ausgebauten Schallanalyse, weil sich auf diesem Wege eine besondere jüdische Sprachkurve feststellen lassen soll.2) Ist es nun an sich schon bedenklich, auf Grund solcher Merkmale Wert und Unwert eines Werkes festzustellen, so ist es geradezu absurd, wenn bei 1) Leipzig ig25, Bartels-Bund. 2) Ziele und Wege der Schallanalyse, Heidelberg 1924. Auf Grund dieser Analyse muß allerdings Goethe Halbjude gewesen sein, denn die Schallkurve eines reinen Ariers klingt aus in: rund — rund, die Heines, eines reinrassigen Juden, in: spitz — spitz, während die Goethes in spitz — rund ausklingt, mithin sehr verdachtig ist. 390