Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1926)
- Article
- Moderne Formen der Religionsbekämpfung
- Date
- 1926-10-01
- Page
- 386 (sequence 4)
- Language
- German
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Bruno Altmannn keine Wiederauflebung einer Walhalla-Religion der vorchristlichen Zeit sein; sie wollen aber in symbolischer Weise bekunden, daß ihnen ihre nationalistischvölkischen Ideale sogar einen Kult mit religiösem Einschlag wert sind und sie wählen den Wotansdienst, weil er die historische Anknüpfung an Zeiten darbietet, in denen diese Ideale vermeintlich am vollkommensten realisiert waren. Daß der Faszismus das Bestreben hat, religiöses Wertniveau zu erreichen, zeigt auch das Bestreben seiner Führer zum internationalen Zusammenschluß der Gleichgesinnten. Politisch ist das ein vollendeter Widersinn, denn solange der Faszismus auf militärische Glorie und auf Ländererwerb ausgeht, ist Gegnerschaft zwischen den „Schwarzhemden" der einzelnen Länder das angemessene Verhältnis. Mussolini hat zuerst Mißtrauen gegen diese merkwürdige Internationalisierung gehabt, dann duldete er derlei Versuche und schließlich erteilte er den „Staatsmännern der Weljt" den Rat, die demokratischen Revolutionsideale von 1789 zu verabschieden und sich die faszistischen Herrschaftsnormen zu eigen zu machen. Die Losung „Faszisten aller Länder vereinigt euch!" ist von Italien sogar amtlich ausgegeben worden und Versuche, sie durchzuführen, wurden immer wieder unternommen. Nun ist zwar der weltlich politische Zweck dieser Veranstaltungen klar und auch allgemein bekannt geworden. Es wurde ein Bündnis von internationaler Autorität angestrebt, um international verbündeten Gegnern gewachsen zu sein. Bei alledem wirkt aber doch eine andere Triebkraft mit, ohne daß die Wortführer dies klar zu durchschauen brauchen: sie wollen mit dem Faszismus eben Religion auf ihre Art begründen. Davon kann keine Rede sein, solange die Bewegung national begrenzt ist; ergreift sie die zivilisierte Welt, so gewinnt sie wenigstens religiöses Ausmaß. Die Prahlerei Farinazzis, das christliche Erlösungswerk werde im Zeichen des Faszio vollendet werden, zeigt ja ganz aufdringlich, welches religiöse Motiy hier für weltliche Zwecke ausgenutzt werden soll: Erlösung! Sie wollen erlösen und erlöst sein von den Machtformen, die sie das Übel der Gegenwart nennen: von der demokratisch-parlamentarischen Herrschaft, von der Freimaurerei, von den Völkerbundsverfechtern. Die Wochenschrift „Roma faszista" war im August 1924 so vorlaut, auch die katholische Kirche unter diesen beseitigungswerten Übeln aufzuzählen. — Schließlich haben auch noch die Rassentheoretiker Religion auf ihre Art begründen wollen. Theoretische Gegner der Gottesidee sind sie grundsätzlich nicht, aber sie äußern sich über diese Angelegenheiten meistenteils mit 3S6