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Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 380

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Das römische Ghetto
Date
1926-10-01
Page
380 (sequence 4)
Language
German
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G. Blustein Die Teilnehmer müssen sich sogleich einschreiben lassen, fehlen sie aber trotz der Eintragung, so haben sie pro Kopf 25 Bajocchi zu zahlen. Es ist außerdem bemerkenswert, daß sich in dieser Stadt, dicht neben der judischen Straße, ein großer und majestätischer Palast befindet, der heute ,Gasa di Svella' genannt wird. Dort wohnten die hebräischen Gesandten, die in Zeiten des Friedens aus Jerusalem nach Rom kamen1), und davon leitet der „jüdische Platz", der sich davor ausbreitet, seinen Namen ab. Die Christen wenden alle möglichen Mittel an, um die Juden zum christlichen Glauben zu bringen. Der Papst spendet jeder getauften Person, auch wenn es sich um ein Kind handelt, 100 Skudi. Wenn einer von ihnen so viel schlechte Taten begangen hat, daß er zehnmal den Galgen verdiente, so wird er sofort in Freiheit gesetzt, wenn er seinem Glauben entsagt Von den anderen Mitteln, durch welche man versucht, sie ihrem Glauben zu entreißen, sei noch folgendes erwähnt Sechs Sbirren, die den städtischen Dienst tun, drangen in ein Haus ein, wo sie eine Frau von 17 Jahren allein anwesend wußten; mit Gewalt schleppten sie dieselbe mit sich. Mit entblößten Säbeln hielten sie sich alle vom Leibe, so daß sich niemand ihnen widersetzen konnte. Kaum befanden sie sich außerhalb des Ghetto, so bestiegen sie mit dem Mädchen einen Wagen und brachten es in ein Kloster. Dies ist ihre Gewohnheit Wenn sie sich mit List eines Mannes bemächtigen, der auf ihr Verlangen nicht sofort zugibt, seinen Glauben abzuschwören, so bringen sie ihn auf 4o Tage in ein Kloster mit Namen Catecumeno, das gerade für solche Personen, die dort eine Frist von 4o Tagen durchzumachen haben, bestimmt ist Täglich werden sie von einem dort angestellten Priester besucht, dieser fragt sie, ob sie nunmehr entschlossen sind, sich taufen zu lassen, eine Frage, die sie nur mit Ja oder Nein zu beantworten haben. Wenn sie nicht verbotene Nahrungsmittel zu sich nehmen wollen, so müssen sie sich seinem Willen unterwerfen, und während dieser 4o Tage können sie nicht mit ihren Glaubensgenossen in Verbindung treten. Nach Ablauf dieses Zeitraums werden sie, wenn sie sich hartnäckig weigern, das Christentum anzunehmen, wieder freigelassen. Die Geistlichen verstehen es, ihre Sache durch unwiderstehliche Worte und Schmeicheleien x) Es handelt sich hier um die Gesandten der Makkabäer, die im Jahre i3g v. Chr. nach Rom kamen. Es ist charakteristisch, daß die Legende von ihrem genauen Wohnort unter den römischen Juden noch im Jahre 1724 im Umlauf war, eine Legende, die wir in dieser Erzählung erwähnt finden. 380

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