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Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 369

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Judentum und Humanität
Date
1926-10-01
Page
369 (sequence 4)
Language
German
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Judentum und Humanität 1867) das meiste, was von ihm in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlich t war, zu opfern, hat wenigstens die beiden ersten gegen Bruno Bauer gerichteten Artikel Rießers ganz kurz gewürdigt Hingegen hat er auf eine Berichterstattung über den dritten Artikel zu seinem Bedauern verzichten müssen, da, wie er a. a. O. Bd. IS. 365 sagt, „ungeachtet vieler Bemühungen" es ihm nicht gelungen sei, das Heft der „Konstitutionellen Jahrbücher" in dem dieser dritte Artikel erschienen war, zu erlangen. Dieser notgedrungene Verzicht ist ebenso beklagenswert, wie auffallend. Denn die „Konstitutionellen Jahrbücher" waren eine vielgelesene Zeitschrift und sind ohne Zweifel in mancher größeren deutschen Bibliothek zu finden. Mir ist es nicht schwer geworden, mir Einsicht in das betreffende Heft zu verschaffen, und es scheint mir der Mühe wert zu sein, den Inhalt dieses dritten Rießerschen Artikels zu skizzieren. Hatte Rießer in den beiden ersten Artikeln es vor allem mit der Erörterung der Rechtsfrage zu tun gehabt, so beschäftigte er sich im dritten allein „mit der Frage der Humanität". Er untersuchte, ob es eine Versündigung gegen den Gedanken der Humanität zu nennen sei, wenn er den von Bauer „über das Judentum und über alles damit irgend zusammenhängende geistige Leben verhängten Verdammungs-Urteilen" in vieler Hinsicht widersprechen müsse. Hierbei rief er sich die Heroen der humanistischen Richtung in der deutschen Literatur zu Hilfe. Mit ihnen wandte er sich gegen die von Bruno Bauer geübte Kritik, „die nicht zufrieden, dem Besonderen jede Herkunft zu entziehen, es in seiner Beschränktheit zu erkennen, ihm überhaupt zu sein verbietet, die es mit unauslöschlichem Hasse bis zur Vernichtung und über dieselbe hinaus verfolgt, die nur dem Allgemeinsten das Dasein gönnen will, die Menschenhaß im Namen der Humanität übt". Er stellte ihr „die wahre Humanität" gegenüber, „die in dem Besonderen und Beschränkten die Keime und Anlagen des höheren Menschlichen begierig aufsucht, die auf die glimmenden Funken eines edlern Sinnes selbst in der Nacht finsterer Zeiten, unter der Asche den Vorurteile und der Befangenheit das Auge mit Vorliebe richtet, die in den Wüsten der Rohheit selbst die spärlichen Knospen und Blüten der Bildung zu entdecken und mit inniger Liebe zu pflegen weiß. Diese Geistesrichtung — die der positivsten, der liebevollsten Humanität — ist es, die vor allem das Wirken Herders bezeichnet, und die seinen Namen der Menschheit teuer macht Seine Leistungen in diesem Sinne — in ergänzendem Zusammenhange mit dem, was L es sing und Kant für die Kritik im umfangreichsten 25 369

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