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Der Morgen · 1926-10-01 · Heft 4 (Oktober 1926) · p. 359

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 4 (Oktober 1926)
Article
Die Erforschung des nachbiblischen Judentums im Rahmen der Universitas Litterarum
Date
1926-10-01
Page
359 (sequence 12)
Language
German
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Die Erforschung des nachbiblischen Judentums im Rahmen der Universitas Litterarum an das biblische und rabbinische Schrifttum eine ganz neue spezifisch jüdische Färbung erhalten hat, ist sie schon früh auch in christliche Kreise gedrungen, wo sie seit Raymundus Lullus von zahlreichen geistig oft hochstehenden Männern, darunter Pico von. Mirandola und Reuchlin hochgeschätzt (oft überschätzt) und selbst zur Stütze der christlichen Glaubenslehre herangezogen wurde. Auch die zur mathematisch-naturwissenschaftlichen Sektion der philosophischen Fakultät gehörigen Forschungsgebiete haben ihre angesehenen Vertreter unter den jüdischen Gelehrten des Mittelalters. Von der Botanik war schon oben die Rede. Vor allem ist die Mathematik selbst immer ein Lieblingsstudium der Juden gewesen, und Steinschneider, der bei weitem beste Kenner der jüdisch-wissenschaftlichen Literatur, hat das in unzähligen Handschriften aller Bibliotheken vergrabene Material zum ersten Male aufgenommen und in Eneströms Bibliotheca Mathematica 1893/1900 übersichtlich dargestellt Auch die Astronomie wurde bei den Juden eifrig betrieben, und zwar schon im Altertum, wo sie namentlich zu Zwecken der Kalenderberechnung praktisch gebraucht wurde. Aus der Zeit vom 8. bis zum 18. Jahrhundert sind fast 100 jüdische Astronomen bekannt Ihnen sind die meisten astronomischen und navigatorischen Tafeln zu verdanken. Doch ihr Hauptverdienst liegt in der Vermittelung der griechisch-arabischen Astronomie an die Völker des Abendlandes, indem sie alle wichtigen Werke ins Hebräische und von da weiter ins Lateinische übersetzten. Hier sei ein für alle Mal auf Steinschneiders monumentales, von der Academie des Inscriptions preisgekröntes Werk hingewiesen, das als Resultat öojähriger unablässiger Arbeit (meist nach handschriftlichen Quellen) den Anteil der Juden an der wissenschaftlichen Arbeit des Mittelalters aufdeckt1) Ein Hauptabschnitt des Werkes ist der Medizin gewidmet, an deren Entwicklung die Juden ebenfalls erheblichen Anteil hatten. Ganz abgesehen davon, daß auch im Mittelalter Päpste und christliche wie mohammedanische Herrscher nicht selten jüdische Leibärzte hatten und Juden an den medizinischen Hochschulen von Salerno und Montpellier dozierten, haben sie auch, in selbständiger Arbeit die wissenschaftliche Heilkunde gefördert und durch Kritik an den Autoritäten des Altertums weiteren Fortschritten den Weg ge- *) Die hebräischen Übersetzungen des Mittelalters und die Juden als Dolmetscher. XXXIV und 1077 S. Berlin i8g3. 359

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